- Titel:
- Home Sweet Home
- Entstehungsjahr:
- ca. 2014
- Künstler-/in:
- Josefh Delleg | Alle Werke
- Ort:
- Kassel (Entstehung)
- Kategorie:
- Installation
- Material:
- Leuchtstoff
Holz
Pflanzenteil
Wachs
- Maße:
- Höhe: 120 cm
Breite: 300 cm
Tiefe: 300 cm
- Beschreibung:
- Home Sweet Home
Die Installation 'Home Sweet Home' thematisiert die Unmöglichkeit des 'Zu-Hause-
Seins' in einer Welt von Ausbeutung und Vertreibung. – Die zwölfteilige Wandarbeit macht sich -
unter hintergründiger Verweigerung räumlicher Perspektive - den totalitären Blick auf ein
geometrisch angelegtes Lager zu eigen und drängt diesen dem Rezipienten auf. Die formatfüllend
hinterlegte Camouflage betont den militärischen Charakter der gezeigten Hüttenansammlung und
verweist auf die von Krieg und rechtloser Ausgrenzung induzierte Angst und Gewalt. Sowie auf das
daraus resultierende Schutzbedürfnis, dem hier lediglich anhand einer hauchdünnen Tarnlage, eben
einer Camouflage, Rechnung getragen werden kann.
Der Titel der Arbeit spielt auf die Homelands Südafrikas an und ironisiert gleichzeitig die
Inszenierungen einer heilen Welt in unseren wohlgeordneten und liebevoll ausstaffierten Dörfern
und Städten. Die Arbeit erzählt gleichzeitig von verlogener Einlullung in einer nur scheinbar heilen
Welt und dem tragischen Status tatsächlicher Exterritorialität.
Davor – quasi herauskopiert, fokussiert und vergrößert – ein Prototyp der skizzierten 'Hütten'. Die
Camouflage entpuppt sich in der Horizontalen als ein Arsenal aus Schädeln.
Während die Camouflage durchaus noch Aspekte des Schutzes - der notdürftigen Tarnung -
beinhaltet, erzählen die Totenschädel von der Unausweichlichkeit der letztgültigen Vernichtung.
Dellegs 'Hütten'- Prototyp ist ein Ikon: Das schludrige Konstrukt aus rohen Holzlatten kommt wie
eine dreidimensionale Zeichnung daher, die plakativ ein Symbol aus einfachen 'Linien' nicht auf das
Blatt, sondern in den Raum entwirft. Das kalte Weiß der Leuchtstoffröhren unterstreicht den
symbolisch abstrakten Charakter der Installation. Das Hüttenkonstrukt ist - wie dies
Lagerbehausungen zu eigen ist - provisorisch, baufällig, windig: ein bauliches Provisorium gehalten
von aggressiv nach außen abstehenden Schraubzwingen. Der Raum, den die Hütte als letzten
Schutz aufspannt, ist instabil und droht bei geringster Gefahr wie ein Kartenhaus in sich
zusammenzufallen.
Die Installation erinnert an real existente Segregationslager, darüber hinaus thematisiert sie ein
'abstraktes' Prinzip: das menschenfressende Prinzip der Gleichschaltung. Das im strengen Raster
ausgerichtete Lager als Symbol für ein unmenschliches System, das Individualität und Freiheit - das
Menschsein an und für sich - beschreibt.
Verstörend in dieser Szenerie ist die Blütenpracht, die sich im Inneren des Hauses entfaltet.
Symbol einer Hoffnung? Des Zu-Hause-Seins? Selbst hier, in diesem Verschlag noch ein Hauch
geraniendekorierter Heimat? Oder ist es die Bepflanzung eines Grabes, ein Nachruf auf das Leben,
das sich hier nicht entfalten konnte? Überlebende sind jedenfalls nicht zu orten. – Das von Delleg
inszenierte Bild ist ein Bild, das über die konkrete Wirklichkeit der Lager hinausweist. Es ist die
Zustandsbeschreibung einer Welt, die es unmöglich macht, sich heimelig einzurichten.
Dr. Harald Kimpel
Dr. Harald Kimpel
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- Persistente URL:
- https://doi.org/10.25362/kupo.c524872f-0107-4bc1-a22c-31b8f86cade6
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- Josefh Delleg / VG Bild-Kunsthttp://rightsstatements.org/vocab/InC/1.0/Josefh Delleg2014-09-10record_kuniweb_2687217_media/record_kuniweb_2687217_1390319.jpg0.0Josefh Delleg / VG Bild-Kunsthttps://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/deed.deJosefh Delleg2014-11-03record_kuniweb_2687217_media/record_kuniweb_2687217_1456304.jpg0.0Josefh Delleg / VG Bild-Kunsthttps://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.deHermann Maria Gasser2015-07-11record_kuniweb_2687217_media/record_kuniweb_2687217_1390325.jpg0.0
