- Titel:
- aus des Knaben Wunderhorn VI
- Entstehungsjahr:
- 1996
- Künstler-/in:
- Alexander Kühn | Alle Werke
- Ort:
- Santanyí (Entstehung)
- Kategorie:
- Malerei
- Material:
- Acrylfarbe
Japanpapier
Leinwand
- Technik:
- Malerei
- Maße:
- Höhe: 98 cm
Breite: 527 cm
- Beschreibung:
- Alexander Kühns Großformate können als gemalte, artifizielle Lieder betrachtet werden. Wie Liedstrophen verweigern sie sich der schnellen optischen Besitznahme, sie bedürfen der Zeit und der Bewegung der Betrachtenden. In seinen großen Gemälden ist weder ein Ziel anvisiert, noch eine Mitte konstruiert und – sie sind natürlich nicht in einem Blick zu erfassen. Sie haben etwas von einem Panoramabild, an dem man sich bewegen muss und in dem man seine Blicke schweifen lassen kann, will man es mit Genuss „lesen“ und erkennen.
Geht man von der Lesbarkeit dieser schmalen Bilderstrecken aus und geht sie auch ab – ohne dass eine Leserichtung von links oder rechts vorgegeben würde – so sind kompositorische Einheiten, Bilder im Bild, tatsächlich analog zu Strophen in einem Gedicht oder Lied. Wie Liedstrophen, die für sich stehen und dennoch innig verbunden sind, haben diese „Bildstrophen“ harte und weiche Übergänge. Viele Bildpassagen erscheinen zuerst autonom, und doch sind sie im Verlauf der Malstrecke vielförmig verbunden.
Es finden sich Durchdringungen, Grenzüberschreitungen, sei es durch eine Form, Linie oder Kontur; sei es ein Farbwechsel, in dem ein durchlaufender Umriss sich verwandelt zeigt. So wandern nicht allein Motive durch die Bilder, sondern ganze Farbfelder oder Flächenumgrenzungen. Wie in einer scheinbaren Paradoxie sind im Kunstwerk Grenzen nötig, um sie zu überwinden.
aus einer Eröffnungsrede von 2011, Bodo Dringenberg
...ein opus magnum der spanischen Reise stellen die sechs Riesenformate mit dem sprichwörtlich gewordenen Titel „aus des Knaben Wunderhorn“ dar.
Um sie zu bearbeiten, legte Alexander Kühn seine fünf Meter langen Papierbahnen auf den Fußboden.
Er zeichnete und malte auf nur 30 Gramm schwerem, extrem empfindlichen Chinapapier, das er später auf Leinwand aufzog.
Das Papier ist sensibel wie eine Haut. Und wie ein Liebhaber muß der Künstler sich darum bemühen.
Ist er grob, plump oder nicht einfühlsam, zerreißt das magische Band zwischen ihnen im wortwörtlichen Sinne.
Das fantastische Universum, das sich da vor den Augen des Betrachters auftut, muss mit den Augen „abgegangen“ werden.
Die Lesart schwankt. Mal wandert der Blick in gewohnter Weise von links nach rechts, dann – ungewohnt – von rechts nach links.
Die extremen Querformate wirken wie in die Horizontale gerutschte, chinesische Rollbilder.
Und eigentlich sollten sie wie diese wahrgenommen werden.
Im Akt des Entrollens, was in China eine Art heiliges, Stunden in Anspruch nehmendes Ritual ist...
Ausstellungskatalog "Santanyi" von 1998, Michael Stoeber
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- Persistente URL:
- https://doi.org/10.25362/kupo.5b552e61-ac29-4728-b863-dbac768320a8
