In der Performance Lion bindet Iris Selke die Genderthematik an die Infragestellung von Herrschaftssymbolen: Sie wird gesäugt vom Braunschweiger Löwen, einer stadt- und kunsthistorisch relevanten Bronzeplastik des Mittelalters. Die Kunstgeschichte dient Iris Selke mehrfach als direkter Fundus: Bei dem Tribute to Caravaggio ist dessen Malerei die projizierte Grundlage für eine eigene Einbindung, indem die Künstlerin durch ihr Tun mit dem Bild verschmilzt, zum Teil dessen wird. Ihre Auseinandersetzung mit dem Meister des Chiaroscuro setzt sich fort in der Arbeit Instantia, bei der das Haupt des Holofernes - oder eher das der Judith, wieder so eine Umdeutung der Rollen - angerichtet auf dem Teller am Kopf der Tafel, den Appetit der am Festmahl Beteiligten nicht schmälert. Dramaturgisch bedient sich auch Iris Selke des Setzens von Kontrasten zur Überhöhung von Situationen, Personen in ihren Handlungen, die auf den Augenblick höchster, verdichteter Dramatik zusteuern. Bei der frühen Performance Narzissus kulminiert diese im kraftvollen, grenzwertig autoaggressiven Zerschmettern des eigenen Spiegel-Bildes. Was ist Projektion und was bleibt, wenn der oberflächliche Schein zerstört wird? "Hinter dem Spiegel", Jessica Reintjes