- Titel:
- step by step
- Entstehungsjahr:
- 2012
- Künstler-/in:
- Josefh Delleg | Alle Werke
- Ort:
- Schorndorf (Entstehung)
- Kategorie:
- Installation
- Material:
- Kupfer
Papier
Metall
Kunststoff
- Technik:
- Assemblage
- Maße:
- Länge: 10 m
Breite: 6 m
- Beschreibung:
- Zur Ausstellung step by step und andere Tänze.
Den gezeigten Installationen gemeinsam ist eine zentrale Kategorie,
von der das Werk Josefh Dellegs durchzogen ist: das Serielle, das Repetitive, die Wiederholung,
Vervielfältigung und Addition von Einzelelementen. Zyklische Prozesse im Kulturellen, im Sozialen wie im
Politischen das sind die Vorgänge, um die sich die Arbeit des Künstlers seit jeher dreht. Seine Kunst ist
geprägt von dieser Wiederkehr, in der das Einzelne, eingebettet in eine Struktur von Wiederaufnahmen, zum
Typischen und zur Metapher für Existentielles gerät. Die Ausstellung konfrontiert uns also mit Leerläufen
unterschiedlicher Art. Durchgängiges Thema ist die Kreisbewegung, das Zirkulieren exemplarisch zum
Ausdruck gebracht in einer raumfüllenden Bodenarbeit: einer Anordnung von Leisten. Prototypen von
Schuhwerk kommen wie in militärischer Disziplinierung gleichgetaktet daher. Und die Schuh-Körper sind
bedeckt mit fragmentierten Landkarten, als hätten sie Schritt für Schritt die erobernde und zerstückelnde
Landnahme in sich aufgenommen: Das Usurpierte klebt den Usurpatoren an den Füßen. Diese Phalanx
kommt aus dem Nichts, blind einherschreitend ins Nichts, wobei das Ordnungsraster am Boden die Richtung
vorschreibt, jeder Einzelne in den Fußstapfen des Vorgängers, unmöglich ein Aus-der-Reihe-Tanzen. Im
Gleichschritt der anonymen Formation vollzieht sich der Aufmarsch der Staatsmacht. Schrittweise wird ein
Territorium ausgemessen und besetzt: die ewige Infanterie auf dem Vormarsch, kein Ende absehbar.
Massen im maschinellen Gleichtakt oder wie bereits Ernst Moritz Arndt den preußischen Exerzierstaat
charakterisierte: Übereinstimmung und Gleichbeweglichkeit des ganzen,totes Maschinenleben ohne Gefühl,
als das der Ehre, von einem Einzigen bewegt zu werden.
Doch der Vorwärtsdrang wird ergänzt durch die Kreisbewegung: Die Kolonnen zeigen hin und wider Flagge.
Erfundene Fahnen noch nicht einmal erfundener Länder recken sich empor, visuelle Hymnen, Logos fiktiver
Nationalitäten zwar, aber irgendwie doch bekannt vorkommend, denn nie sehr weit entfernt von den
koloristischen Selbstdarstellungen real existierender Staaten. Zaghafte Zeugnisse von Individualität regen
sich also inmitten des allgemeinen Fortschreitens. Doch selbst wenn hie und da das Individuelle
hochgehalten wird, läuft es doch leer, rotiert es, leise surrend, folgenlos um sich selbst. Die Weltgeschichte
als Geschichte territorialer Eroberungen unter wechselnden Parolen wiederholt sich nach demselben Muster,
sie kann gar nicht anders, wird sie doch hervorgebracht von Individuen, denen die Lernfähigkeit im Schutz
des Kollektivs regelmäßig abhanden kommt. Der geordnete Fortschritt der Kommissstiefel, einmal in Marsch
gesetzt, kennt keine Umkehr. Diese Installation thematisiert also jenes Weitermachen entgegen alle
Vernunft, das uns heute allenthalben nicht nur auf militärischem Sektor zu schaffen macht.
Denn Gleichschaltung zum erstarrten System hat noch immer zu dessen Kollaps geführt.
Harald Kimpel
Dr. Harald Kimpel
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- Persistente URL:
- https://doi.org/10.25362/kupo.f305ee4a-dfa8-4539-86c5-0304d17bedaf
