- Titel:
- GOD BLESS YOU
- Entstehungsjahr:
- 2017
- Künstler-/in:
- Josefh Delleg | Alle Werke
- Ort:
- Schorndorf (Entstehung)
- Kategorie:
- Installation
- Material:
- Leder
Lack
Eiche
- Technik:
- gedrechselt
gebeizt
- Maße:
- Höhe: 85 cm
- Beschreibung:
- Liebesgrüße der Macht
Schlagworte zu Josefh Dellegs GOD BLESS YOU
Wer nicht
glauben will, muss fühlen: Das ist seit jeher der Glaube derjenigen, die bemüht sind, ihn
den Ungläubigen einzubläuen. Vorübergehende Gewaltanwendung gilt als das kleinere
Übel gegenüber der Perpetuierung des Irrtums. So gehen Religion und Aggression
kontinuierlich Hand in Hand. Weltliche und kirchliche Macht stehen sich in nichts nach,
wenn es darum geht, die Unbotmäßigen, Aufmüpfigen und nicht Regelkonformen zu
maßregeln. Im Bewusstsein der Rechtmäßigkeit und Alternativlosigkeit einer Ultima Ratio
ist auch das Christentum nicht zimperlich beim Einsatz – und der Segnung – von Waffen
jeglichen Wirkungsgrades. Schon immer haben diejenigen, die mit Waffen umgehen, dies
im Bewusstsein getan, dass Gott mit ihnen ist. Gerade die unglaublichsten Taten erklären
sich aus dem Umstand, dass sie als unmittelbar von höheren Mächten legitimiert, wenn
nicht gar als in deren Namen durchgeführt ausgewiesen werden. Voraussetzung für den
rechten Gebrauch von Waffen ist die Unterscheidung zwischen ihrem gerechten und
ungerechten Einsatz: die Differenzierung zwischen einer Wahrheit, in deren Besitz man
sich selber glaubt, und der Unwahrheit, deren verstockte Anhänger auf den rechten Weg
gezwungen werden müssen. Seit Erfindung der Bombenkriege ist es Tradition, den
Flugzeugen sowie auch dem, was sie abwerfen, Grüße an die Adressaten mitzugeben.
Die Ausübung von Gewalt wird begleitet von der Nachricht darüber, wem der Gewaltakt zu
verdanken ist oder in wessen Namen er begangen wird. Ausgeteilt wird mit freundlicher
Empfehlung der Austeilenden. Signiert mit Rachebotschaften, treffen die Waffen
diejenigen, die ihre Botschaft nicht mehr lesen, nur noch spüren können. Wenn es zu
Handgreiflichkeiten kommt, hat die Obrigkeit ein schlichtes Instrument zur Hand: Josefh
Dellegs handliches Holz, ein griffiges Designobjekt, wird schlagendes Argument bei der
politischen Überzeugungsarbeit und druckvollen Rechtsdurchsetzung. Mit zynischer
Vieldeutigkeit – zwischen „Gesundheit!“, „Gott schütze Dich!“ und „Es gnade Dir Gott!“ –
markiert GOD BLESS YOU die Arroganz der Über-Macht, die unter dem Vorwand der
Fürsorge Zwang ausübt. Austeiler und Empfänger der Prügel sind auf diese Weise auch
über die moralische Rechtfertigung der Strafe miteinander verbunden. Der schwarze
Knüppel: Ein Readymade mit leichter Modifikation, eine minimalistische Skulptur, deren
unmissverständliche Form der Funktion folgt, trägt eine Inschrift, die mit gutem Gewissen
die im Grunde gut gemeinte Absicht verbalisiert. Wie die Buchführung auf dem Kerbholz,
wie die Kerben im Gewehrkolben gibt die Gravur auf dem Kunstwerk Auskunft über die
Geisteshaltung derjenigen, die sich seiner bedienen. Man muss den Kopf erhoben haben,
um eins drauf zu bekommen…
Dr. Harald Kimpel
- Literatur:
- Quelle:
Schorndorfer Nachrichten, 2017-10-02 Krieg und Frieden im Namen Gottes? – Vortrag von Prof. Dr. Karl-Josef Kuschel in der Stadtkirche. Schorndorf. „Keine Religion ist unschuldig“, bekannte der renommierte katholische Theologe und Weltethiker Karl-Josef Kuschel in seinem Vortrag vor zahlreichen gespannten Hörern in der Stadtkirche. Dabei stehe im Kern der Religionen doch das Friedensgebot. Wie, angesichts weltweiter Gewaltakte im Namen Gottes, eine Gegenstrategie entwickeln? Das war der bewegende Versuch eines aus „Verlegenheit und Enttäuschung“ sprechenden Redners. Nicht nur körperlich, sondern auch theologisch „verfroren“ wirkte Professor Kuschel, wie er da mit einer Decke über den Beinen unter dem Bild der Arbeit „God bless you“ von Josefh Delleg saß. Einer Knüppel-Plastik, die anlässlich des Skulpturenprojekts derzeit eine Nische der Stadtkirche besetzt und in deren Rahmenprogramm – ein die Schorndorfer Gemeinde herausforderndes Selbstverständigungsunternehmen im Zeichen der Reformation – auch sein Vortrag stattfand. Eine Theologie des Friedens auf Basis der Menschenrechte Da machte sich einer gleich eingangs sympathisch verwundbar. Aus „Verlegenheit und Enttäuschung“ spreche er. Jemand, der erfahren muss, wie ein Fortschritt auch wieder zurückgenommen werden kann. Die ihn prägende Erfahrung war das 2. Vatikanische Konzil und die 1963 erschienene Enzyklika „Pacem in Terris“ (Friede auf Erden) von Papst Johannes XXIII., eine, wie Kuschel sagte, „Theologie des Friedens auf der Basis der Menschenrechte“, wie es sie zuvor so nicht gegeben habe. Dann die Anfechtungen des „Zeitgeistes“ der 68er nach 200 Jahren Religionskritik zu Beginn seines Studiums und die damit verbundene Frage: „Welch eine Geschichte von Blut, Tränen und Massenmord. Und alles im Namen Gottes.“ Wie, so Kuschel, könne man da noch „intellektuell redlich religiös sein wollen und somit sein Leben und Sterben auf eine transzendente Wirklichkeit gründen?“ Im Laufe der Jahre habe er aber gelernt, dass die „defensive öffentliche Lage der Religionen“ ein europäisches Phänomen sei. „In Europa ist Religion auf eine geschichtlich beispiellose Schwundstufe gesunken.“ Global gesehen verändere sich das Bild. „Von Europa abgesehen, hat Religion in allen Kontinenten dieser Erde auf Hunderte von Millionen Menschen nach wie vor Einfluss.“ Anders als ältere Säkularisierungsvorhersagen über das weltweite Verschwinden der Religionen müsse man heute davon ausgehen, „dass im globalen Wettbewerb das kulturelle und religiöse Eigenprofil der Kontinente sich nicht etwa abschleift, sondern verschärft“. Mit Folgen: „Aufruhr gegen soziale Verwerfungen kleiden sich heute nicht mehr länger in ideologische (Marxismus-Kapitalismus), sondern ethnisch-religiöse Gewänder.“ Das bedeute, so Kuschel, dass „den Religionen eine besondere Verantwortung zuwächst, die vorhandenen sozialen und ethnischen Konflikte nicht religiös zu fanatisieren, sondern religiös zu zivilisieren“. Dabei sieht Kuschel nicht, dass die Religionen, trotz aller ökonomischen Globalisierung, zu einer Einheitsreligion zusammenwüchsen. Eine „McDonaldisierung“ der Weltreligionen sei nicht zu erwarten. Daraus folge: „Die Religionen behalten untereinander bleibend gültige Wahrheitsansprüche.“ Dazu komme, dass nach dem Zusammenbruch der „modernen Großideologien“ 1989 ein „postideologisches Vakuum“ entstanden sei, mit dem Effekt, dass der Anteil religiöser Menschen an der Weltbevölkerung „dramatisch“ ansteige. Selbst in China würden heute schon mehr Christen in einen Sonntagsgottesdienst gehen als in ganz Westeuropa. Dass Religion eben nicht vorbei und vergangen sei, habe Kuschel ermutigt. Womit er nicht gerechnet habe, sei, „dass ich im Jahr 2017 mehr denn je nicht nur über Frieden, sondern auch über Gewalt im Namen Gottes würde sprechen müssen“. Denn „keine Religion ist unschuldig“. Aber ist Gewalt im Namen von Religionen „nur übergriffiger Missbrauch von Verblendeten?“ Nein, so Kuschel, „machen wir uns nichts vor: In vielen Religionen gibt es schon in den Heiligen Schriften selber Rechtfertigung von Krieg, Intoleranz und Gewalt.“ Aber gleichzeitig - „Doppelgesichtigkeit der Religionen“, so der Untertitel von Kuschels Vortrag – „die Eindämmung und letztlich Überwindung der Gewalt durch Ethos und Recht ist auch schon Teil der Heiligen Schriften“. Und wäre denn die Religionslosigkeit eine Garantie für Friedfertigkeit, fragte Kuschel und verwies auf die „monströse Gewaltgeschichte des Atheismus von Robespierre bis Hitler und Stalin“. Mit noch mehr Laizismus und Säkularisierung ließen sich die Probleme der Menschheit nicht lösen, meinte der Theologe und plädierte für „Strategien zur Selbstreinigung und inneren Erneuerung der traditionellen Religionen mit dem Ziel, sie zu gewinnen für eine Erziehung zu den Menschenrechten, zum Ernstnehmen des Pluralismus, zur Koexistenz mit Andersglaubenden“. Aber geht es bei den derzeitigen Gewaltexzessen überhaupt um Religion? Ist sie nicht nur „Tarnmantel anderer Konflikte?“ Immerhin so viel gesteht Kuschel ein, „wer hinter den Parolen des Islamismus nicht den Schrei nach Partizipation und einem besseren Leben sieht, hat wenig von der Wirklichkeit verstanden“. Am Ende klagte Kuschel Gegenstrategien ein, eine „Kultur des Vertrauens, der Achtsamkeit für die Präsenz des je Andersglaubenden neben mir und vor Gott“. Was aber, wenn menschlicher Gewalt völlig egal wäre, in wessen Namen sie wütet? Einen wird sie immer finden. Da könnte es einen schon frieren. © Schorndorfer Nachrichten
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- https://doi.org/10.25362/kupo.a4ad6055-f04a-4e22-8571-de2910b005cd
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- Josefh Delleg / VG Bild-Kunsthttp://rightsstatements.org/vocab/InC/1.0/Josefh Dellegrecord_kuniweb_2733322_media/record_kuniweb_2733322_1457089.jpg0.0Josefh Delleg / VG Bild-Kunsthttps://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/deed.deJosefh Dellegrecord_kuniweb_2733322_media/record_kuniweb_2733322_1457090.jpg0.0Josefh Delleg / VG Bild-Kunsthttps://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/deed.deJosefh Dellegrecord_kuniweb_2733322_media/record_kuniweb_2733322_1457091.jpg0.0
