- Titel:
- nichts ist
- Entstehungsjahr:
- 2007
- Künstler-/in:
- Josefh Delleg | Alle Werke
- Ort:
- Göttingen (Entstehung)
- Kategorie:
- Installation
- Material:
- Neon
- Maße:
- Höhe: 40 cm
Breite: 150 cm
- Beschreibung:
- Auszug aus der Eröffnung der Ausstellung in der Städtischen Galerie Eichenmüllerhaus Lemgo.
Ein einleuchtender Wortlaut informiert uns wie eine Reklameschrift, dass hier nichts zu holen
ist. Die lakonische Mitteilung annonciert scheinbar den Ausverkauf von Ideen, das
Ausbleiben einer Leistung – und riecht gelinde nach Provokation! Dieses Neon-Zeichen
(eine erhellende Aussage und zugleich ein erstes Exponat) verweigert ein
Gebrauchswertversprechen: Es macht Erwartungen zunichte – oder aber schraubt sie
hoch. Denn „nichts ist“ – dieser kürzest mögliche und in seiner Kürze sogar noch
doppeldeutige Satz besagt einerseits, dass es das NICHTS doch in irgend einer Weise
gibt, dass es durchaus ETWAS ist. Und er behauptet gleichzeitig, dass alles Nichts sei,
dass ein Sein nicht vorhanden oder doch zumindest nichtig sei: Jedenfalls ein Nihilismus,
der noch in der Negation die Bedeutung des Negierten bestätigt, eine Verneinung, die
ihren Gegenstand – eben das Nichts – seinsversessen bejaht. In derart hirnzermarternde
Widersprüche ist die Beschäftigung mit dem Nichts seit der Antike verwickelt. Groß
geschrieben und mit bestimmtem Artikel versehen, gehört DAS NICHTS zu den
meistdiskutierten Gegenständen der (keineswegs nur abendländischen) Denktradition.
Parallel zu einer Philosophie, die das Sein zu deuten beansprucht, hat sich eine
entwickelt, die das Gegenteil zu fassen und zu bestimmen sucht, um diesem irritierenden
ontologischen Extremfall mit dialektischer Vernunft zu begegnen und ihm wenn schon
nicht materiell, dann wenigstens verbal auf die Schliche zu kommen: ein gründliches
Denken, das sich mit Grundfragen herumschlägt wie der, warum denn das Sein besser
sein soll als das Nichtsein, und was das ETWAS dem NICHTS überlegen macht. Über
nichts hat man sich so viele Gedanken gemacht wie über das Nichts: über die Frage also,
warum überhaupt etwas ist und nicht vielmehr nichts. Und dieses NICHTS – die ständige
Begleitung des ETWAS, wobei das eine Voraussetzung des anderen ist und beide ohne
einander nicht denkbar sind – dieses Nichts also wiegt bei genauerer Betrachtung weitaus
schwerer als sein materieller Gegenpart: Denn gegenüber dem, was es alles nicht gibt, ist
das bisschen, das es gibt, verschwindend gering: Einem unendlichen Nichts steht das
wenige Etwas (als Ausnahme von der Regel, als der rare, in hohem Maße
unwahrscheinliche Sonderfall) unverhältnismäßig gegenüber. Am Nichts muss also
jedenfalls etwas dran sein: Es muss Etwas sein – und wenn nur Gegenstand der Frage,
was denn das Nichts ist. Und dann wird auch noch dieses unendlich verwickelte
Phänomen zum Gegenstand einer Kunstausstellung!
Dr. Harald Kimpel
Dr. Harald Kimpel
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- Persistente URL:
- https://doi.org/10.25362/kupo.914bafb6-422b-4b99-8817-c2df3b7ed437
