Siegfried O. Stolle
Kontaktadresse:
Meinershagener Straße 1
27726 Worpswede
E-Mail: sost(at)stolle-art.de
Ich begreife Kunstgeschichte als gravierendes Element der Menschwerdungsgeschichte. Da bekanntlich die Menschwerdungsgeschichte immer wieder neue Anfänge weist, sind meine künstlerischen Bemühungen einerseits immer wieder anfänglich, selbst wenn archaische Reduktionen einfließen, andererseits hinterlasse ich für einen Bruchteil Ewigkeit Spuren ästhetischer Seinswahrnehmung.
1938 geboren in Dessau
Teilstudium der Architektur und der Kunstgeschichte in Berlin
seit 1980 Vertiefung künstlerischer Ambitionen in Worpswede mit Schwerpunkt Bildhauerei; Aufspüren ästhetischer Spannungsfelder in figürlicher Plastik, Aquarell und Zeichnung.
seit 1988 Mitglied im BBK
seit 1999 Mitglied Galerie ART99 seit Gründung (2018 geschlossen)
2001–2023 regelmäßige Teilnahme an Veranstaltungen der International Academy of Arts in Bremen-Nord
2003–2007 „Kunst in der Landschaft“ - Skulpturenpark in Ostersode (Gemeinde Worpswede)
2006–2010 Weiterbildendes Studium „Gestaltende Kunst“ mit dem Schwerpunkt Kunstpraxis und Kunsttheorie an der Hochschule für Künste Hochschule Bremen, Abschluss mit Zertifikat
2024 „31.Kulturpreis“ der Volksbank eG Osterholz-Bremervörde (2.Preis)
2023 „Lebenslinien“, Vorpommernhus, Klausdorf (Mecklenburg-Vorpommern)
„Licht“, BBK-Galerie Oldenburg. Gemeinschaftsausstellung
2018 DKV-Residenz, Bremen
2016 Siegfried O. Stolle „Knoopspark/Lesmona“, Galerie Birgit Waller, Villa Lesmona, Bremen
2014 „Haltestelle Kunst“, Galerie auf Zeit, Bremerhaven
1999-2014 „Kunstwerk – Werkkunst“, Schloss Reinbek
Ausstellungen in der Galerie Art99 – Alte Molkerei Worpswede
2017 Freisetzung
2016 Transfer – Wege des Austauschs
„Sehnsucht Hoffnung Neuanfang“
„Fluchten“ – Jahresausstellung des BBK OHZ
2015 „Paarweise“ – Winterausstellung der Künstler der Galerie Art99
Siegfried O. Stolle „Ins Blickfeld gerückt“
„Verkörperung“ Gemeinschaftsausstellung zum Jahresauftakt
2014 „Winterzeit – Künstlerleid ?!“ Winterausstellung
„Zeitgleich – Zeitzeichen“, Zeitzeichen Worpswede
Worpswede „Nonstop.Land.Schafft. Die Lebenden und die Untoten“
Worpswede „Nonstop.Land.Schafft. Haltestelle Kunst“
2013 „Fünfundzwanzig“, Jubiläumsausstellung
„... Natürlich, Natur!?“, Gemeinschaftsausstellung Herbst/Winter
„Alles Fassade“, Gemeinschaftsausstellung Sommer
„Zwischen den Polen“
2012 „W.I.R. – Wahrscheinlichkeiten – Irritationen – Realitäten“
S. Stolle + G. Rechn, „Begegnung In Worpswede“
„Heinrich. Utopien in Gold und Rot“
2011 „Vorsicht Farbe“, Herbst-/Winterausstellung der Galerie Art99
„Freitag, 21. Oktober 2011“
2024 Relikt Gral, Skulptur, Skulpturenpark Galerie Birgit Waller, Lesmona (Bremen Nord)
2018 Lesmona Melodie, Skulptur, Skulpturenpark Galerie Birgit Waller, Lesmona (Bremen-Nord)
2007 Galaxis M 51, Skulptur, Skulpturenpark Nordsode
2005 Friedensmal, Skulptur, Skulpturenpark Nordsode
2004 Die Landschaft ruft, Skulptur, Skulpturenpark Nordsode
2003 Drei Pfeile in der Landschaft, Skulptur, Skulpturenpark Nordsode
1993 Artemis, Skulptur, Skulpturengarten Zeven
1989 Sonne mit Nebensonnen, Skulptur, 1. Worpsweder Bildhauersymposium, Galerie Altes Rathaus, Worpswede
1986 Wandgestaltung aus farbigen Sandsteinblöcken, Haus Ewald Brune, Marcusallee Bremen-Horn
Bildhauerei und Keramik
Plastischer und bildsamer Ton fordert mich zu spontaner und kreativer Aktion heraus. Sequenzen eines originären Schöpfungsaktes erlebe ich beim Aufspüren ästhetischer Spannungsfelder. In der Plastik, wie auch beim Kunstobjekt versuche ich Wahrnehmung zu fokussieren, Sehweisen zu variieren, Flüchtiges zu bannen, Erde zu beseelen, Material zu befragen und ihre Geheimnisse zu lüften. Meine figürlichen Plastiken sind sinnliche Energieträger - Kulturzeichen und Spielmaterial einer ästhetischen Seinsbereicherung (2007)
Malerei
„Je weiter sich Stolle von den Originalvorlagen (Bäume, Sträucher, Wiesen, Gewächse) entfernt, desto intensiver wird die mit dem Spachtel aufgetragene Farbe, je mehr leuchtet sie. Es gelingt ihm, in großen Flächen Vibrationen aufzubauen, die das Bild in Spannung versetzen und den Betrachter ständig herausfordern, sich mit dem Ergebnis auseinander zu setzen.“
Prof. Jürgen Waller, 2017
„Mit dem Werden seiner Bilder setzt Stolle Gedanken und Vorstellungen frei und künstlerisch um. Seine Bildidee sei immer zwischen Unbewusstsein und Bewusstsein angesiedelt, erklärt er die Vorgehensweise der Kompositionen. Nimmt er mit den Augen Blumen oder Landschaft auf, erfindet er sie als Künstler neu. Immer wieder aber ist er überrascht von dem Ergebnis auf Bildebene, auf der sich die unbewusste Wahrnehmung Bahn bricht. Den künstlerischen Vorgang der Freisetzung auf der Leinwand erfährt Stolle als Befreiung. „Die eigene Wahrnehmung über den langen Lebensprozess hinweg ist ein reicher Schatz, um die Welt zu interpretieren“, erklärt der Künstler. Er malt vor der Natur, kopiert sie aber nicht, sondern lässt sich inspirieren.
Der seit 30 Jahren in Worpswede arbeitende Maler und Bildhauer zeigt […] mit großformatiger Malerei in Acryl, Mischtechnik und Aquarell die eigene Blickrichtung seiner Spaziergänge durch die Natur. Vorwiegend sind es in der freien Natur im Teufelsmoor wie auch in Lesum gemalte Landschaften, aber auch Stillleben. Immer aber sind es Abstraktionen. Es ist der weite Blick, den Siegfried Stolle auf seinen Worpswede-Bilder bannt, dabei spielt er mit falschen Perspektiven. Es geht ihm bei seinen Kompositionen nicht um realistische Abbildungen oder die Wiedererkennung der Landschaft. Vor drei Jahrzehnten trat Stolle in Worpswede mit dem künstlerischen Anspruch an, Horizonte aufzuheben. Seine künstlerische Tätigkeit verstand er als Veränderung von Sehgewohnheiten durch die Bekämpfung, auf den Horizont zu schauen. Allerdings schaffe sich der Mensch durch seine eigene Perspektive Horizonte und eigene Sehgewohnheiten. Auch das durchaus nicht nur im wörtlichen Sinne gemeint.
„Was ist Wahrheit“, ist die Stolle am häufigsten umtreibende und bewegende Frage. In Form von Kreativität und künstlerischer Arbeit äußert er sich dazu „spielerisch“, beschreibt er seine Arbeitsweise. Diese Art der Freisetzung befreie ihn selber, so der Künstler.
Sabine von der Decken, 2017
Kunst im öffentlichen Raum
„Sonne mit Nebensonnen“
Angeregt durch die bei bestimmten atmosphärischen Bedingungen entstehende optische Erscheinung seitlicher Lichtreflexe neben der Sonne, stellte ich mir auf dem 1.Worpsweder Bildhauersymposium die Aufgabe, dieses Phänomen künstlerisch umzusetzen und symbolhaft zu deuten und darzustellen. Dabei setzte ich bewusst alte, ihrer bekannten Funktion entäußerte Materialien in neue Bedeutungszusammenhänge. Die „Sonnen“ als ehemalige Räder eines Heuwenders, statuenhaft aufgestützt auf alte Eichenschwellen, lassen dem Betrachter freien Raum zu Ausdeutung. In der Mitte das Zentralgestirn, energiespendender natur-gottgleicher Motor alles Lebens. Die Nebensonnen als optischer Reflex: Symbol der Illusion, Welt der Ideen, der Philosophie in ihren scheinbaren Antagonismen immer wieder rückführbar auf die zentrale Sonne: die Realität.
Oder ist die Skulptur in ihrer konkreten Umsetzung die Darstellung eines abendlichen Feuerwerks? Ja, im Betrachten liegt die Kunst. (1989)
„Friedensmal“ (2005)
Diese Skulptur besteht aus 3 Stelen, wie sie oft in den Kulturen zu finden sind: Frieden, Wahrheit und Recht. Die erste Stele ist verziert mit einem Ölzweig als Zeichen des Friedens. Hinter der zweiten und dritten Stele verbirgt sich noch etwas anderes: Wenn man der schwarzen Linie folgt, entdeckt man einen Menschen mit Kopf und zwei Armen, wobei der rechte Teil des Menschen aus dem Leerraum zwischen der zweiten und dritten Stele gebildet wird: ein gespaltener Mensch. Der linke Arm ist nach oben gereckt und bildet als zweite Stele einen offenen, empfangbereiten Kelch, offen für die Energie von oben, die den gespaltenen Menschen heilen kann. Bei der Spaltung kann man an die Dualität von Gewalt und Liebe denken, die den Menschen einerseits in Kriege führt, ihn andererseits aber auch zur Liebe bereit sein läßt. Friedensmal ist nicht weit vom Abendmahl der christlichen Tradition, das Frieden stiftet.
Wolfgang Konukiewitz, 2007
„Relikt Gral“
Es entstand im Jahre 2023 und wurde von Siegfried O. Stolle (Bildhauer, Maler, Gründungsmitglied des BBK Niedersachsen, Sektion Osterholz) aus knorrigem Holz und rostigem Eisen erschaffen. Das zweiteilige Objekt besteht schlicht aus rohem, gewachsenem Holz. Die Eisenklammern, mit denen es beim Sägen und Zurichten bearbeitet wurde, stecken noch darin. Die beiden geborstenen Stämme liegen auf einer Daumen-dicken Eisenplatte. Sparsam verwendetes Goldspray erinnert dabei an die Suche nach dem Heiligen Gral durch die Ritter der Tafelrunde. Das Kunstwerk soll die „Metamorphose“, bzw. Allegorie eines Korinthischen Säulenkapitells darstellen.
„Ich verstehe das Werk als Freisetzung pflanzlicher Formen aus dem Segment eines gefällten Worpsweder Straßenbaums, der durch mein künstlerisches Tun Auferstehung feiern kann“, so Stolle in der Beschreibung seines Werkes.
Ralf G. Poppe, 2024