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Dorothy Gierth
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Karl Repfennig
*1936 in Hannover - †2021 in Stadtoldendorf
Ein ungewöhnlicher Werdegang auf dem Weg zum Künstlerdasein:
Zur See und auf dem Lande, zwischen und auf den Kontinenten sich bewegend, vom Seemann zum Geschäftsmann sich verändernd, „beschäftigt, auf das Leben zu reagieren“, wie Karl Repfennig es kommentiert, hätte es so weitergehen können. Aber dann, mit 40 Jahren, der späte, kühne Entschluss, Kunst zu studieren am Art Institute in San Francisco und Santa Rosa, Kalifornien. Nach 40 Jahren Erkundung der Außenwelten der Sprung in die Innenwelten der Kunst.
Sein Studium fand in einer Zeit statt, in der die großen Avantgarde-Entdeckungen und neuen künstlerischen Positionen bereits akademisiert wurden, das heißt, den Studierenden konnte ein breites Spektrum zeitgenössischer künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten vermittelt werden.
Karl Repfennig öffnete sich seitdem immer wieder neuen Materialerfahrungen, künstlerischen Positionen und Medien. Er untersuchte mit künstlerischen Mitteln die Beziehungen von Linien, Flächen, Farben und Räumen. Er experimentierte mit unterschiedlichen Oberflächengestaltungen und Farbaufträgen.

Dieter Welzel
Bevor Schloss Bevern eine feste Adresse für ihn wurde, war Karl Repfennig viel unterwegs. Die längste Zeit verbrachte er in Kalifornien. Regelmäßige Fahrten in die Wüsten Kaliforniens und Nevadas brachten Arbeiten hervor, die im Freien auf Picknicktischen entstanden sind und im kleinen Format zeigen, wie weite geheimnisvolle Landschaften spielerische Kreativität freisetzen können. Hier begann auch die Faszination für das unbegrenzte schwarze All, aus der die Serie "malen mit schwarz" entstand.
Seit der Rückkehr nach Europa hat er dann einige Jahre in Hannover wild und heftig gemalt, bis 1988 Schloss Bevern die Station wurde, wo sich Karl Repfennig auf das konzentrierte, was sich an Erlebnissen und Erfahrungen angesammelt hat, um diese mit neuen Eindrücken zu neuen Bildern zu verarbeiten.
1936 in Hannover geboren
1962 ständiger Aufenthalt in den USA
1976–1979 Studium am Art Institute in San Francisco und Santa Rosa, Kalifornien 
1979 Rückkehr nach Europa 
1989 Gründung des Ateliers im Kulturzentrum Bevern
2021 am 22. Januar in Stadtoldendorf gestorben
Einzelausstellungen

1981 Galerie Effective, Friesenstraße, Hannover 
1986 Broadcast-Gallery, Santa Monica, Ca., USA
1987 University Santa Barbara, U.-cen. Gallery, Santa Barbara, Ca., USA
1989 Galerie Ahlers, Göttingen
1991 Schloss Bevern, Zwei Künstler der Region, Bevern
1992 Schrammberger Schloss, Podiumkunst, Schrammberg
Musik- und Kulturverein, Stadtoldendorf
1993 Künstlergruppe Arche, Serienbilder, Hameln
1995 Universität Göttingen, Bilder und Installationen
1996 Haus des Gastes, Serienbilder, Polle
Bibliothek Waldmühle, Zeichnungen, Soltau
1997 Art-Foyer Wesertal, Kunst – eine Sache des Kopfes, Hameln (Katalog)
Kunst im Tresor, Installationen und Bilder, Ö .V. B. Holzminden (Katalog)
1998 KWS Biotechnikum, Einbeck
1999 Kunstverein Salzgitter, Salzgitter (Katalog)
2001 Stadtbücherei Holzminden, Zeichnungen
2002 Vier Monate Arbeitsaufenthalt mit Ausstellung, Sebastopol, Ca., USA
2003 Künstlergruppe Arche, Hameln (Katalog)
2004 Sechs Monate Arbeitsaufenthalt mit Ausstellung, Stralsund
2005 Atelier Schloss Bevern, Eigene und andere Ausstellungen, Bevern 
2006 Kloster Amelungsborn, Kleinformate auf Holz, Amelungsborn 
2007 Galerie Kunstraum, Zeichnungen, Hannover
2008 Agenda-Galerie, Münster (Katalog) 
Atelier im Schloss, Retrospektive: Zwanzig Jahre Atelier im Schloss, Bevern (Katalog)
2009
Arbeitsaufenthalt Hannover, Bilder und Zeichnungen
Leibniz-Bibliothek, Zeichnungen, Hannover
2010 Atelier Schloss Bevern, Eigene und andere Ausstellungen, Bevern 
F40 Kunsthöfe Kreuzberg, Berlin
2012 Stadtbücherei Holzminden, Dem Kopf den Rücken zugewandt, Malerei, Holzminden
2014 Art Driburg, Historisches Rathaus Dringenberg, Malerei, Dringenberg 
K-6 Galerie, Alfeld
2015 Schloss Bevern, Atelieraktivitäten: Ausstellungen – Lesungen – Musik, Bevern 
Private Residence, London, GB
2016 Schloss Bevern, Atelier-Ausstellung 80. Geburtstag, Bevern 

Gruppenausstellungen

1990 Champs 2, mit Group Keffenach
Je vier deutsche und französische Künstler, Malerei, Altkirch, Frankreich 
1992 Group Keffenach, Zeichnungen, Centre Culturel Français, Karlsruhe
1993 Villa Streccius, Group Keffenach, Malerei, Landau
1997 Podiumkunst Schrammberg, Group Keffenach, Malerei, Schrammberg
1998 Salon Salder, Malerei, Schloss Salder, Salzgitter
2002 Burg Polle, Mäander-Blau, Skulpturen und Installationen, Polle 
2004 Kurpark Bad Pyrmont, mehrere Objekte, Bad Pyrmont (Katalog)
2005 Fagus-Werke, Malerei, Alfeld
2009 hannover gallery, 3 Länder – 7 Künstler, Malerei, Hannover
2017 Schloss Bevern, Atelier-Ausstellung mit Giso Westing, Malerei und Zeichnungen, 
Bevern (Katalog)
2019 Schloss Bevern, Atelier-Ausstellung mit Ingrid Mohrmann, Malerei, Bevern 

Regelmäßige Teilnahme an Ausstellungen

Schloss Bevern , Kunstkreis Holzminden – Jahresausstellung, Bevern
Schloss Bevern, Niedersächsische Grafiktriennale, Bevern
Künstlergruppe Arche, Hameln (bis 2003)
1993 – 1998 Initiator und Mitbetreiber des Kunstforums Holzminden 

Skulpturen

2004/2010 Schloss Bevern, Fibeln
Vier Eisen-Skulpturen als Gruppe, Bevern (Katalog) 
2004 Schloss Bevern, Kopfblüte, Eisen und Farbe, Bevern 
2007 Die Liegende, Eisenskulptur (Stahl, Edelstahl)
2010 An den Teichen, Poente, Eisenskulptur, Holzminden 
2010 An den Teichen, Kopfstelen, Drei Eisenskulpturen als Gruppe, Holzminden
Karl möchte kein Erfüllungsgehilfe seiner eigenen Ideen und Projekte sein. Immer wieder kommt er zu dem Punkt, zu sagen: „Und da hörte es auf, mich zu interessieren.“ Das ist bei ihm keine Sprunghaftigkeit, auch kein Getriebensein, sondern die Gewissheit, sich aufzugeben, wenn man sich festlegt und sich so der Möglichkeiten, die in einem selbst ruhen, beraubt. Denn es gibt in Karl Repfennigs Arbeit über all die Jahre und die verschieden Erscheinungsformen eine durchgängige thematische Linie: Das ist der Mensch in all seinen Verhältnissen.  Die Beziehung zu seinem Körper, zur Umgebung des Raumes in der Welt wie auch zum Mitmenschen, zur Sinnen Welt und zum Eros. Selbst, wenn Bilder den  Eindruck erwecken, es handele sich um eine rein ästhetische Praxis,  täuscht das. Wenn Karl Repfennig eine schwarze, glatte, glänzende Fläche einer anderen, ebenso tiefschwarzen , aber rauh strukturierten Fläche gegenüberstellt, so meint das mehr als die bloße Untersuchung des optischen Effekts. Es geht ihm darüber hinaus, um die Frage nach der Beschaffenheit des Alls, nach Sein und Nichtsein und nach den Grenzen der Wahrnehmung. Das Weltall, als das was hinter dem Himmel ist, die Schwärze jenseits der dünnen Luftatmosphäre, die trotz des Lichts der Sonne so finster ist, beschäftigt  seine Gedanken. Solange das Sonnenlicht auf keinen Gegenstand, der ist reflektieren könnte, trifft, ist es nicht wahrnehmbar. Das ist eine Analogie zum Geist, zum Denken, das ja auch als reine Möglichkeit existiert, aber erst aus sich heraus tritt, wenn das Denken auf seinen Widerpart trifft und den Gedanken hervorbringt. Ein Denken, das keinen Gegenstand bearbeitet, ist nichtig.

Im Verlauf der Jahre haben sich zwei Möglichkeiten der Repräsentation des Menschen in den Bildern behauptet. Einmal ist da das vom Maler entwickelte vereinfachte Bild eines Kopfes, ein Schema, das er seit Jahren gebraucht, um das Ich in seiner abstrakten Allgemeinheit zu bezeichnen. Auch wenn die Menschen verschieden sind, haben sie alle,  jenseits dieser Individualität ein Ich. Aber Charakter und Ich sind zweierlei. Das Ich in seiner reinsten Abstraktion ist die Möglichkeit vom Bewusstsein von sich selbst überhaupt. Nur so ergibt sich das Verhältnis von Mensch und Welt oder eben von Subjekt und Objekt. Dieses Kopfsymbol als zusammenfassendes Zeichen verwendet er dann auch zusammen mit einfachen Farbflächen, die auf jeden Raum schaffenden Effekt verzichten, um allgemeine Verhältnisse auszudrücken. Solcherlei Verhältnisse können sich in der Frage ausdrücken:  warum machen wir uns es so schwer, warum beschreiten wir dauernd Umwege, anstatt direkt zu handeln?

Die andere Form der Menschendarstellung in den Bildern ist die ganze Figur, der Mensch als Person, als jemand, der sich der konkreten Situation gegenüber sieht. Räume und Perspektiven werden angedeutet oder scharf und klar ausgeführt. Alle möglichen Darstellungsformen, Malweisen, stilistischen Eingriffe und Behandlungen der Farbe wie der Farbigkeit kommen zum Einsatz. Es ist, als wäre der Maler ein Schauspieler, der in verschiedene Rollen schlüpft, sich verschiedener Masken bedient. Karl Repfennig jongliert geradezu mit den Formen, er hat mit den Mitteln des Stilistischen den bestimmten Stil überwunden.

Schließlich geht es um nichts weniger als die Stellung des Menschen zu erfassen. Das Verhältnis und die Beziehung des Menschen zu den anderen Menschen in der sozialen wie auch in der individuellen psychischen Konstellation wird behandelt und in eine ästhetische Form gebracht. Wie findet man eine schlüssige Bildformel für das Verhältnis von Verstand und sinnlicher Lust? Wie stellt man das Bewusstsein von der Verbindung mit dem Kosmos dar, wie gestaltet man Begrenzung und Entgrenzung, Pragmatismus und Ekstase? Die Bilder wollen  nicht erklären, keine Theorie aufstellen, sondern eher die Frage nach der Existenz veranschaulichen. Selbstbefragung findet statt, Gedanken werden bearbeitet und herausgebildet, eine Philosophie mit anderen Mitteln wird betrieben.

Karl Repfennig weiß vom Wert der Dinge, er macht keinen Unterschied, er weiß, dass in allem, auch in dem, was bedeutungslos erscheinen mag, Potenzial liegt. Sein Leben und seine Kunst sind harmonisch miteinander verbunden. Als aufrichtiger Künstler hat er sich nicht abbringen lassen von seinem Ideal einer wirklich freien Kunst innerhalb selbst gewählter Ausdrucksformen. Sein Erfolg ist der der Selbstrealisation, der eigenen Authentizität, die sich mitteilt und von den Verständigen gewürdigt und erkannt wird. Seine Kunst spekuliert nicht auf einen Erfolg hin, der außerhalb der Arbeit liegt und mit dieser nichts zu tun hat. Seine Kunst das ist er selbst, der sich als nachdenklicher Mensch sowohl an andere wendet, um sich mitzuteilen, wie auch für sich etwas gestalten will. Er weiß, dass man die Welt als Gesamtheit aller Dinge, Fakten und Taten, in all diesen Konstellationen nicht verstehen kann. Man kann sie, diese komplexe Welt jedoch deuten und daran arbeiten, sie zu begreifen. Es bleibt eben diese Sache, als Sache des Kopfes.

Giso Westing, aus: Zur Ausstellung Karl Repfennig, It Is A Beautiful World, Schloss Bevern 2016
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