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Hans Jürgen Wormeck

Wenn das Aquarellieren der Seismograph meiner Seele ist, dann hat meine Radierkunst etwas Titanisches an sich. Mitunter dient mir die Radiernadel sogar für einige meiner Kopf-Plastiken aus Ton, die ich tieffurchig bezeichne. Leinwände, und bei weitem nicht nur Leinwände, setze ich überraschenden Zugkräften aus, indem ich den Untergrund zum Beispiel mit Seidenpapier überziehe, ehe ich den Farbpinsel schwinge, ich nehme die Falten und Verwerfungen als Gestaltungsmittel auf, arbeite allerlei Materialien ein und experimentiere mit metallisierten Textilien, die sich schließlich verselbstständigen und zu meinen „Silberbildern“ werden. Ein andermal ist die Farbe die Hauptsache, die Farbe, nicht ich. 

In meinem Langzeitprojekt „Der Pannonische Hochstand“ manifestieren sich alle meine Phantasien über das Werden und Vergehen und Wiederwerden, über die sichtbaren und unsichtbaren Zusammenhänge unseres Seins. Mich inspiriert wo ich bin: ich lebe im Teufelsmoor mit seinen Geheimnissen, und ich träume von Pannonien mit seinem Wind.

Hans Jürgen Wormeck

1941 im Zeichen des Fisches im ehemaligen Westpreußen geboren.

1945 nach der Flucht in den Westen wächst er in Leer/Ostfriesland auf.

1960-1965 Kunststudium in Mainz und in Berlin bei Mac Zimmermann.

1966-1973 lebt er in Dortmund, wo er an der PH eine Assistentenstelle bekleidet. Beginn seiner umfängliche Tiefdruck-Produktion, wie auch sein Experimentieren mit Super 8 mm-Filmmaterial.  

1973 zieht er nach Osterholz-Scharmbeck. Es entsteht die Radiermappe „Schmetterlinge“.

1977 Entstehung der Radiermappe „Teufelsmoor“.

1981 Lithos zum Text von K. Struck „Die Herberge”.

1988 „Schimmelpilz, Blütenpapier und Blattgold“, Langzeitexperimente, Meditationen und vergnügliche Auswertungen.   

1988 und 1989 La Palma, Aquarelle.

1990-2010 Langzeitprojekt „Der Pannonische Hochstand”

1992 Für zwei Jahre zum Vorsitzenden des BBK Worpswede gewählt.

2001-2002 Langzeitprojekt mit Installation „365 Tage Lollis im Teufelsmoor“, fotografisch dokumentiert.

2002 Aquarelle auf La Palma.

2004 Erste Arbeiten in Sandstein. 

2005 Symposium in Rodowo/Polen.

2007 Aufenthalte auf La Gomera und in Polen.

2008 Erste Silberbilder.

2011 Einrichtung einer Keramikwerkstatt, erste Raku-Brände.

2018 Herausgabe der Kataloghefte „Silberbilder“ und „Radierungen“.

2019 Herausgabe der Kataloghefte „Aquarelle“ und „Bilder auf Leinwand“.

2013 „Wormecks Malerei“, Leer.

2010 Osterholz-Scharmbeck, Kunstverein, „Brechender Blick“ (Variation zum „Pannonischen Hochstand“).

2009 Osterholz-Scharmbeck, Faunhalle, „Neue Bilder, Skulpturen, Objekte“.

2007 Worpswede, Roseliusmuseum, „Worpsweder Künstler und ihre Landschaften“.

2003 Cuxhaven, Kunstverein, „Die Zauberflöte“.

2002 Osterholz-Scharmbeck, Galerie Jenner, „Flaniermeile unter Feuerbignonien“.

1999 Lüneburg, Museum für das Fürstentum Lüneburg, „Vom Abbild zum Sinnbild“.

1998 Osterholz-Scharmbeck, Kunstverein Osterholz, „Landschaften“.

1997 Bremen, Galerie im Park, „Der Pannonische Hochstand III“.
Museum für das Fürstentum Lüneburg, „Der Pannonische Hochstand IV“.

1995 Reilingen, atelierGalerie, „Geflügelte Worte“.
Worpswede, Galerie Altes Rathaus, „Völkerwanderung V“.
Worpswede, Galerie Altes Rathaus, „Balance-Akt“.
Bayerische Versicherungskammer, „Worpsweder Kunst in München“.

1994 Worpswede, Roseliusmuseum ,„Der Pannonische Hochstand II“.
Auerbach, „Völkerwanderung II“.
Tauberbischofsheim, „Völkerwanderung III“.
Worpswede, Galerie Altes Rathaus, BBK Jahresausstellung Bremen. 
Galerie im Park, „Völkerwanderung IV“.

1993 Worpswede, Galerie Altes Rathaus, BBK „Worpswede im Jahr 104“.
Starnberg, „Völkerwanderung I“.

1992 Osterholz-Scharmbeck, Galerie Jenner, „Goldblätter“.

1991 Bremen, pro art, „Der Pannonische Hochstand I“.

1989 Oldenburger Staatstheater, „Große Leinwände“.
Herrsching, „Blattwerke“.
München, Arte Galerie N, „Blattwerke“.

1986 Osterholz-Scharmbeck, Galerie Jenner, zu „Totenfloß“ von Harald Mueller.

1985 Worpswede, Galerie Altes Rathaus, „informell“.

1979 Stade, Dresdner Bank.

1978 Otterndorf, Dresdner Bank. 

1970 Leer, „Neue Grafik“.

1969 Leer, „Neue Kunst in Ostfriesland IV“.
Duisburg, Galerie NOS.
Darmstadt, Galerie Garuda und Schlossgalerie.

1968 Bochum, Claubergs Galerie.
Leer, „Neue Kunst in Ostfriesland III“.
Hamburg, Galerie Mensch.

1967 München, Große Kunstausstellung.
Bochum, Kunstpreis der Jugend.

1966 Mainz, Club Katakombe, „Mainzer Manierismus“.

1965 Mainz, Institut Francais.

Der Künstler Hans Jürgen Wormeck

Er ist ein Forscher, ein Abenteurer, ein Entdecker, ein Spieler und Poet. Hans Jürgen Wormeck sprüht vor Ideen. Sein Haus, eine ausgebaute Scheune, ist ein einziger Ort kreativen Schaffens. „Meine Kunst ist ein Geheimnis“, sagt er, „wie immer wir es lüften wollen, es bleibt eines. Es hat die Qualität von Animation, von Einkehr und einem unendlichen Weg.“ (1)

Der Malerei widmete sich der 1941 in Westpreußen geborene Wormeck schon als Schüler. Eine Folge dieser Leidenschaft war das Kunststudium in Mainz und Berlin. Nach einer Assistenzstelle in Dortmund entschied er sich, eine Heimat dort zu suchen, wo er sich mit seiner Sehnsucht nach Natur ausleben kann: das Teufelsmoor. Er beschreibt die Natur dieser Gegend auf seine poetische Weise: „Landschaft im Winter, in den Hammwiesen am Rande zum Teufelsmoor, Wildgänse, Schwäne stehen in Eispfützen und durchschneiden das Wasser, halten inne, prüfen das Umfeld und weiter und immer einen Schritt näher, wie in meinen Kinderträumen...“(2)

Am Anfang seiner künstlerischen Arbeit stand die Radierung im Vordergrund. Bis heute ist ihm diese besonders sensible Kunstform eine seiner hauptsächlichen Sprachen. Hans Jürgen Wormeck lässt sich von der Landschaft des Teufelsmoores mit seinen Geheimnissen inspirieren. Dabei variiert er das Thema zwischen subtiler Gegenständlichkeit bis hin zu Verfremdungen z.B. durch Bildung von Ambivalenzen, Ironisierung und Abstraktion. Den schwärmerischen, sentimentalen Blick der alten Worpsweder nimmt er in seine Arbeit nie auf.

Ende der Achtzigerjahre erhält die Malerei größeren Raum. Auf großformatigen Leinwänden experimentiert Wormeck mit Farben und Formen, klebt Seidenpapiere und Stoffe in die Bilder und übermalt sie wieder. Mit diesen Arbeiten verfolgt er keine inhaltlichen Anliegen. Er, der Forscher, der auch das Spiel mit dem Material liebt, nutzt die Farbe um ihrer selbst willen. Nach der Manier des Informel und Abstrakten Expressionismus trägt er sie gestisch, heftig und emotional auf, ritzt und schneidet Spuren in die Leinwand, übergießt sie mit transparenten Substanzen, die gelegentlich mit unterliegenden Schichten verschmelzen. Auf diese Weise entstand u.a. auch der „Blauberg“.

Hans Jürgen Wormecks zahlreiche Installationen mit dem Titel „Der Pannonische Hochstand“ sind eine Manifestation seiner poetischen Phantasien, die sich in einem Langzeitprojekt ständig vertiefen und mit dem der Künstler die Metamorphosen seines Schaffens durchlebt. „In schwindelnder Höhe Neben- und Quergedanken haben, assoziieren und auf ungewohnte Perspektiven und Zusammenhänge stoßen, auch neue Nachbarschaften stiften von Materialien und Farben, mit einem Wort alles, was sich eignet, poetische Beziehungen einzugehen, das ist PANNONISCH.“(3)

Zu den Pannonischen Elementen Wormecks gehören Eibenholz, die Farbe Indigo, Gold, Fallschirmseide und Seidenpapier. Aus diesen Materialien fertigt der Künstler wunderliche Dinge wie riesige Lollis aus Seidenpapier oder kleine Schmuckkästchen, die mit Beton gefüllt werden, in den wiederum ein Hochstand geritzt oder ein Lolli eingelegt wird. Dieses Drei-Schritte-Prinzip, in dem immer aus zwei Dingen ein neues Drittes entsteht, zieht sich durch sämtliche Arbeiten dieser Reihe und ist typisch Pannonisch.

 „Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Sie verrückt sind?“ wurde Wormeck von einem Kritiker im Hinblick auf seine Pannonische Welt gefragt. „Natürlich bin ich verrückt“, antwortet der Künstler. „Es wäre schrecklich für mich, wenn ich mich im Wahnsinn der Normalität aufhalten müsste.“(4) Gerade aus dieser Position heraus, die gleichzeitig ein völlig zweckfreies Handeln erlaubt, können Dinge entstehen, die Fragen aufwerfen, erstaunen, verzaubern und Geheimnisse in sich bergen.

„Wer angesichts meiner Kunst etwas fühlt, ist mir auf der Spur“, sagt Hans Jürgen Wormeck. „Kunst ist nicht an Zeit und Raum gebunden, an keine Moral und Konvention. Sie geht von einem Ort aus und sucht einen anderen Ort, der in uns selbst ist.“(5)

Quelle: Donata Holz, „Unter den großen Himmeln“

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1 aus: Aufzeichnungen von H. J. Wormeck

2 aus einem Gespräch mit Wormeck am 25.5.2009

3 s. Katalog „Der Pannonische Hochstand III“, Galerie im Park, Bremen 1997, S. 16

4 Ebenda

5 aus: Aufzeichnungen von H. J. Wormeck

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