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Wissenswertes:

Jürgen Brohm
* 1954 in Rheinhausen - † 2019 in Hannover
Jürgen Brohm, 1954 in Rheinhausen geboren, studierte von 1977 bis 1986 Kunstpädagogik an der Hochschule für Künste Bremen. 
Neben der Malerei beschäftigte er sich intensiv mit Siebdruck und Fotografie.
Nach dem Studium war er als Kunst- und Werklehrer und Grafik-Designer in Bremen tätig.
Ab 2000 lebte und arbeitete er als Graphiker und Maler in Braunschweig und Erkerode am Elm. 
Ab 2005 war er im BBK Braunschweig aktives Mitglied und engagierte sich dort in verschiedenen Gremien.
1954 geboren in Rheinhausen

1973  - 74
Bühnenbild-Volontariat am Niedersächsischen Staatstheater Hannover

197 7 - 86
Studium der Kunstpädagogik an der Hochschule für Künste Bremen

1988 - 99
selbstständige Tätigkeit als Grafiker

1999
Lehrauftrag für Malerei an der Hochschule Flensburg

ab 2000 lebt und arbeitet als Graphiker und Maler in Braunschweig und Erkerode am Elm

ab 2005 Mitglied im Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler / Braunschweig;
Mitarbeit im Vorstand, im Galeriebeirat und in der Aufnahme- und Ausstellungsjury

2019
verstorben in Hannover
2019 DAS SCHMATZEN DES PINSELS ..., Kunsthaus BBK, Braunschweig

2018
FRÜHJAHRSSALON (Beteiligung), Schloss Wolfenbüttel

2016
AUF DASS MAN WEITEN GENUG HABE (mit Fritz Schubert), Villa Sponte, Bremen

2015
BBK JAHRESAUSSTELLUNG (Beteiligung), RaumLabor, Braunschweig
Natur – Mensch 2015, Nationalpark Harz, St. Andreasberg

2014
Jürgen Brohm | Ina Falkenstern, Malerei und Zeichnungen, Büro Zentral, Braunschweig
BBK JAHRESAUSSTELLUNG (Beteiligung), RaumLabor, Braunschweig

2013
 TAGESFORM, Kunstverein, Oerlinghausen

2012
 FRÜHJAHRSSALON (Beteiligung), Schloss Wolfenbüttel

2011
 LUFTLINIE (mit Susanne Hesch), BBK-Torhausgalerie, Braunschweig

2009
 HEIMAT–KEIN PLURAL (Beteiligung), BBK-Torhausgalerie, Braunschweig
SEHEN-LANDSCHAFTEN (mit Sabine Hoppe), Studio Hoppe, Braunschweig

2008
 CARRÉMENT (Beteiligung), Galerie d‘art contemporain, Nimes
RESTSÜSSE, Kunstkreis Kloster Brunshausen e. V., Bad Gandersheim
48-60-08 (Beteiligung), BBK-Torhausgalerie, Braunschweig

2007
 KUNST GRÜSST TOMATE (Beteiligung), BBK-Torhausgalerie, Braunschweig

2006
 CARRÉMENT (Beteiligung), Galerie d‘art contemporain, Nîmes
MACHT, WAS IHR WOLLT (Beteiligung), BBK-Torhausgalerie, Braunschweig
NON ESSENTIALS (Beteiligung), Orangerie, Darmstadt / Vorortost-Galerie, Leipzig
BRAUNSCHWEIG - NEUE ANSICHTEN EINER STADT- (Beteiligung),
ZUWACHS (Beteiligung), BBK-Torhausgalerie, Braunschweig

2005
 DREISSIGMALDREISSIG (Beteiligung), BBK-Torhausgalerie, Braunschweig

1997
 SCANDINAVIA, Galerie im Rathaus, Verden

1994
 JÜRGEN BROHM, Hollerhaus-Galerie, Irschenhausen

1992
SÜDOST, Städtische Galerie, Paderborn

1989
DIE MUSIK DER LANDSCHAFT, Kulturlandschaft Elbe/Weser, Fischerhude
UNI ART (Beteiligung), Forum Böttcherstraße, Bremen
1. Fundstücke oder Jürgen Brohms Motive
Der Künstler Jürgen Brohm malt in abstrahierter Form Fundstücke des Alltags. Autoreifenfragmente werden auf seinen Gemälden zu Insekten, eine Rostschließe zu einem dynamischen Frosch. Gleich der erste Blick des Künstlers entwickelt das Wesen des Fundstücks. Der gesammelte Gegenstand wird abfotografiert und gemalt, dies kann durch die verschiedensten Blickwinkel zu einer seriellen Reihung führen. 
Losgelöst von seiner ursprünglichen Funktion erfährt der Gegenstand in den Bildern Jürgen Brohms eine Verfremdung. Bei diesen abstrahierten Formen, wie wir sie z. B. in der Werkgruppe „Tagesform“ sehen können, offenbart sich diese besondere Phantasiebegabung des Künstlers. 

Jürgen Brohm sieht das Große im Kleinen und bemerkt mit liebevollem Blick die Bildwürdigkeit seiner Fundstücke. In der Werkgruppe Tagesform wird die thematische Vielseitigkeit des Künstlers evident. Genau das impliziert das Wort „Tagesform“. An einem Tag ist es der Ausschnitt einer Landschaft, der in Brohms Fokus rückt, am Nächsten eine historische Statue und dann wieder ein Wasserboiler. Es ist eben Tagesformabhängig, was dargestellt wird und nicht berechenbar. Neben der thematischen Vielseitigkeit lässt sich in den ausgestellten Werken eine stilistische Vielfalt entdecken, die zwischen gegenständlicher und abstrahierter Form changiert. 

2. „Das Malen ist wie ein Live-Konzert“ oder Brohms Technik
Für Jürgen Brohm ist das Malen wie ein Live-Konzert, die weiße Leinwand ist wie eine Bühne ohne Ton. Das Publikum wird leise und die ersten Klänge werden hörbar. In den nächsten Stunden gilt es die Zuschauer zu fesseln und die vormals leere Bühne mit immer mehr Musikern zu füllen.
Mit Acrylfarben auf der Palette, dem Pinsel in der Hand verzaubert Jürgen Brohm sein Publikum. Dicke Fettkreide akzentuiert verschiedene Details, die Pausen zwischen den Malphasen werden länger und ganze Farbpartien werden wieder abgekratzt. Der Vorhang ist gefallen, das Konzert ist zu Ende. Die Musik ist vergänglich, das Kunstwerk bleibt. Dieser geradezu synästhetische Prozess bleibt dem Gemälde immanent. Beim genauen Studieren von Brohms Werken erkennt man seine Lust am Malen, die Materialästhetik der hier ausgestellten Werke  sowie den Genuss an Materie, an Werkzeug und am Schmatzen des Pinsels.

3. Ein Stilllebenmaler?
Die Motive Brohms sind in den meisten Fällen nahansichtige Gegenstände oder Landschaften.
Macht das den Künstler jedoch per se zu einem Stillleben- oder Landschaftsmaler?
Nach der Definition von Kindlers renommierten Malerei-Lexikon ist ein Stillleben „die Darstellung von »stillen«, d. h. regungslosen Gegenständen, die aus ihrer natürlichen Umgebung entfernt, ihrem Zweck entrückt, ihrer eigentlichen Sphäre beraubt und vom Maler bewußt in einer nach ästhetischen Gesichtspunkten komponierten Anordnung aufgebaut sind.“  Allerdings assoziiert man mit der „nature morte“ oder „natura morta“ gemeinhin tote reglose Gegenstände. 
Die reglosen Dinge, die Jürgen Brohm je nach Tagesform darstellt, werden von ihm aber im Gegenteil zu dieser tradierten Form erst zu Leben erweckt. Darüber hinaus arbeitet der Künstler frei von inhaltlichen und symbolischen Aspekten. Die Ästhetik diktiert Brohms Schaffen. Es gibt kein überfrachtendes Beiwerk, über das Visualisieren und somit Festhalten von Musik hinaus keinen Vanitasgedanken. 

Verändert zitiert aus der Eröffnungsrede von Julia Taut zur Ausstellung „Tagesform“ im Kunstverein Oerlinghausen, 2013
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