Ulla Nentwig

Mich interessiert die Geschichte, die wir in uns tragen, die nicht in das bewusste Wissen übergeht, erfahrene Geschichte, die unbewusst mitbestimmt, wer wir sind. Das was wir Ursprung nennen, aber nicht kennen.

Da wir nicht autonom sind, weder im Handeln noch in dem, was wir als Wirklichkeit ansehen, stelle ich die Wahrnehmung des vordergründig Realen in Frage und arbeite mit Alltäglichem.

Ulla Nentwig 1998

1955 in Stolzenau geboren

1972-80 Ausbildung und Berufstätigkeit als Krankenschwester

1983-89 Studium der Freien Künste an der FH Hannover bei H. Rogge, Diplom

seit 1989 freischaffend in Hannover tätig


Arbeiten im öffentlichen Raum in Langenhagen und Stuhr, privaten und öffentlichen Sammlungen

1992 Wohn und Arbeitsstipendium Stuhr

1993 und 1995 niedersächsisches Arbeitsstipendium

2014 1.Preis „Neues aus hannoverschen Ateliers“


Nebenberufliche Tätigkeiten: als Requisiteurin, Kostüm- u. Bühnenbildnerin

Raumbezogene Arbeiten/Installationen(I), Einzelausstellungen (E),  Dokumentation/Katalog (K)

2019 „Und schon ist es Abend”,  Künstlerhaus Bergedorf (I,E)

2018 „Weg” Florale Berggarten Hannover (I)

2017 „Palliare”, Wettmar (I,E)

2015 „Ed e´subito sera”, Eisfabrik Hannover (I,E)
„Freude”, Schaum, Hannover (I)
„Stringenz war gestern”, Haus der Region, Hannover (E)

2013 „Kreis”, Drei Frauen-Generationen, Hannover (I)
„Figürliches Werk”, Galerie Sammlung Kramski, Burgdorf (E)

2012 „Duktus”, Eisfabrik Hannover(E)
„Gabe I“, Fahrt ins Blaue, Kunst in Kontakt, Hannover (I, K)
„Gabe II”, H2O, Güntherstraße Hannover (I, K)

2010 „Leipziger Horizont”, Marianne in die Stadt, Leipzig (I)

2009 „Verortung”, Stadtplatz Langenhagen
„Zeichnungen und Übermalungen”, Langenhagen (E)

2008 „KOI”, Gärten der Zukunft, Hannover (I, K)
„Heimatstücke”, Bürgerschule Hannover Nordstadt (E)
„Unumwunden”, Kunst und Kulturverein Uchte (I,E)

2007 „Das Steinerne Herz”, Figurale  Hannover ( K)

2006 „Zentrum der Welt”, Kunst auf dem Deich, Rethem/Aller (I)
„Retrospektive”, Rethem/Aller(E)

2005 „Bezeichnend”, Meerkunstraum, Wilhelmstein (I)
„Belvedere”, Picknick am Wegesrand 8, Hannover (I)
„Horizont 2”, Mellendorf (I, K)

2004 „One Night”, Block 16, Hannover (I)
„Schönheit und Schmerz”, Hannover, Wintergärten (I, K)

2003 „Ich habe dir keinen Rosengarten versprochen”, Stadtpark Garbsen (I)
„Einblicke”, kunst in kontakt,  Hannover(E)

2002 „Von außen betrachtet”, Saarländisches Künstlerhaus Saarbrücken (E, K)

2001 „ein Herz, ein Hertz, ein Hz”, Lux Aeterna, Völksen (I)

1999 „Mimikry”, Wintergärten, Hannover (I, K)

1998 „Malerei und Objekte”, Neues Kreishaus Hannover (E)

1996 „Wegkreuze”, Die Höge, Bassum (I, K)

1995 „Rösselsprung”, Hermannshof, Springe (I)

1994 „Ulla Nentwig”, Galerie 42, Oldenburg (E)

1993 „Stipendiatenausstellung”, Stuhr-Heiligenrode (E, K)

1991 „Reisenotizen”, Salon Salder, Salzgitter (I, K)

1987 „Gebundenes Steinfeld”, Langenhagen (I, K)

für Heranwachsende

Künstlerische Leitung gemeinsam mit Katharina Sickert für  „Zeit_ Anlegen“, ein Projekt des Stadtteilzentrum Nordstadt, Bürgerschule (Doku).


für Senioren

2019 Künstlerische Leitung, gemeinsam mit Clemens Kappen, des beteiligungsorientierten Kunstprojektes  „Der zweite Blick“ im Rahmen der Blauen Zone

Künstlerische Leitung im Rahmen der Blauen Zone:

2018 Thema Veränderung

2017 Recycling/Veränderung


für alle Altersklassen

beteiligungsorientierte Kunstprojekte im Rahmen eigener künstlerischer Arbeit:

2012   „Unumwunden“ Kunst und Kulturverein Uchte

2017   „Palliare”, Wettmar

2006   „Zentrum der Welt“,  Kunst auf dem Deich   Rethem/Aller

1987   „Gebundenes Steinfeld“,   Langenhagen (Katalog)


für Künstler

1989 Mitbegründerin der Unternehmung Strousberg, Hanomag

VON AUSSEN BETRACHTET, ISBN 3-932294-78-5, ULLA NENTWIG 1992-1993, Hrsg. Gem. Stuhr-Heiligenrode

2.Langenhagener Bildhauersymposion, Hrsg. Stadt Langenhagen, 1987

ISBN 987-3-932313-24-0 (Gabe II)

Wintergärten IV (Koi)

ISBN 987-3-932313-24-0 (Steinernes Herz)

Picknick am Wegesrand, Doku CD (Belvedere)

Kulturtage Garbsen 1995 (Soweitso)

Fahrt ins Blaue, Kunst in Kontakt 2012 (Gabe I)

Durch-Blicke, Kunst in Glashäusern 2012 (Bezeichnend)

22 Künstler…IMAGO KV 2005 (Horizont)

Artikel von Jörg Worat, ISSN 1437-6202.H48492

Une touche à tout

Zum Werk von Ulla Nentwig
Von Michael Stoeber

Ulla Nentwig ist eine neugierige Künstlerin. Sie experimentiert gerne und probiert vieles aus.
In Deutschland, wo man die Spezialisten liebt, begegnet man dem nicht selten mit Misstrauen.
Ganz anders in Frankreich. Da nennt man eine solche Künstlerin eine Touche à tout, eine Allesanfasserin, und begegnet ihr mit sehr viel Respekt. Da Nentwig der Vorbehalte müde ist, die manche Betrachter hierzulande ihrer Kunst entgegen bringen, hat sie ihrer Ausstellung im hannoverschen Regionshaus den ironischen Titel „Stringenz war gestern” gegeben.

Wobei in ihm eine doppelte Ironie liegt, weil die Schau, auf die sich der Titel bezieht, stringenter, sprich logischer aufeinander bezogen, kaum sein könnte. Nentwig zeigt ausschließlich Zeichnungen und Malerei, eine geradezu klassische Verbindung. Allerdings agieren die beiden Medien, die andere Künstlern häufig formal und inhaltlich aufeinander beziehen, bei ihr eher gegen- als miteinander. Während Nentwigs Malerei farbig, opulent und erzählend ist, sind ihre Zeichnungen, minimalistisch, reduziert und schwarzweiß.

Formal ist ihre Malerei einfach, direkt und zupackend. Inhaltlich zeigt sie sich beeinflusst von Surrealismus und Traumdeutung, Märchen und Mythos. Es geht in ihren Bildern um Initiation und Identität, Macht und Ohnmacht, Erstarrung und Vitalität. Letztendlich um Befreiung und Ich-Werdung. Hinter den Opfergaben und Beschwörungen, Fragmentierungen und Behinderungen der Gemälde Nentwigs scheint eine Hoffnung auf, die Ernst Bloch unwiderstehlich mitreißend formuliert hat: „Ich bin, aber ich habe mich nicht, deshalb werden wir erst.”

Ulla Nentwigs Zeichnungen sind in ihrer formalen Vielfalt bestechend. Sie erzählen nicht, sondern wirken durch unterschiedliche Abstraktionen. Auch wenn sie in ihrer reduzierten Signatur an die amerikanische Minimal Art erinnern, sind sie weit entfernt von ihr. Gegen eine solche Nähe steht ganz eminent das geometrisch Verzogene wie gestisch Handschriftliche der Werke. Ihre Formen trumpfen nicht auf und wollen keine ultimativen ästhetischen Formen und Formeln sein, sondern eher Selbstbehauptungen, nicht selten am Rande des Verstummens.

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