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Spichernstraße 24 a
30161 Hannover

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Wissenswertes:

Rüdiger Stanko

In meinen Bildern geht es nicht zuerst um Malerei und die Frage, wie diese sich heute darstellen kann, sondern eher um künstlerische Gewohnheiten und Strategien. Zweifel am Konzept des Aus-sich-selbst-heraus-Schaffens führten mich zunächst zur Untersuchung der Begriffe Komposition und Autorenschaft, sowie typischer Genres der Malerei, z.B. Landschaft, Stilleben, Portrait. Mit Hilfe des Zufalls einerseits, mit der Beteiligung des Publikums an künstlerischen Entscheidungen andererseits habe ich versucht, in einem vordefiniertem Rahmen den Weg von der Idee zur Bildwerdung für Fremd-Einflüsse zu öffnen, um so Klarheit zu gewinnen über die Anteile subjektiver und objektiver Entscheidungen und deren Wechselwirkung bei der Konstruktion eines Bildes. Dass solche Überlegungen eine stark konzeptuell geprägte Malerei hervorbringen, mindert nicht mein Interesse am malerischen Vorgang als solchem, mit all seinen Zufälligkeiten. In den Malereibegriff passen für mich computergenerierte oder -bearbeitete Bilder genauso gut hinein wie herkömmliche Pinsel-und-Leinwand-Bilder.

1958 in Groß-Gerau geboren

1976-78 Berufsausbildung zum Druckvorlagenhersteller

1978-85 Studium der Freien Kunst an der HBK Braunschweig, Meisterschüler von Prof. Ben Willikens

1987 Stipendium des Landkreises Helmstedt im Kloster St. Marienberg

1991 Niedersächsisches Nachwuchsstipendium

Dragoco-Stipendium im Rudolf-Jahns-Haus, Holzminden

1992 Arbeitsstipendium des Landes Niedersachsen für die Teilnahme am Progetto Civitella d’Agliano, Italien

1993-95 Lehrauftrag an der FH für Kunst und Design, Hannover

1994 Jahresstipendium des Landes Niedersachsen

1996 Deutscher Kunstpreis der Volksbanken und Raiffeisenbanken, 5. Preis

1998 Jahresstipendium des Kunstfonds e.V., Bonn

2001-03 Lehrauftrag an der FH für Gestaltung, Hildesheim

2002 Kunstpreis der Stadtsparkasse Hannover

2007 Preisträger beim Bildhauersymposion Heidenheim

2013-15 Lehrkraft für besondere Aufgaben, Institut für Gestaltungspraxis und Kunstwissenschaft, Leibniz-Universität Hannover

2016 Lehrauftrag am Fachbereich Kunst und Musik der Universität Bielefeld

Auswahl

1989
„Daheim & unterwegs”, FREIRAUM, Hannover (G, K)

Stipendiaten des Landkreises Helmstedt, Kubus, Hannover (G, K)

1990 „Daheim & unterwegs”, Kunsthalle Recklinghausen (G, K)

1991 Kunstverein Wolfenbüttel (G)

„Rücken an Rücken”, Kunstverein Wunstorf (E, K mit Degenhard Andrulat)

„das aufgefallene, das stärkste...”, Kubus, Hannover  (G, K)

1992 Dragoco, Holzminden (E, K)

„Atelier Helmkestraße”, BWA Poznan, Polen  (G, K)

„Wolfenbüttel und der abgestiegene Reiter”, Kunstverein Wolfenbüttel (G, K)

„Szene Hannover”, 77. Herbstausstellung niedersächsischer Künstler, Kunstverein Hannover (G, K)

1993 „Ein Treppenhaus für die Kunst”, Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Hannover (G, K)

„Malerei 2000”, Sprinkenhof, Hamburg und Konstmuseet II, Malmö, Schweden (G)

1994 Galerie kö 24, Hannover (E, mit Giso Westing)    

„ReklamARTion I”, Litfaßsäule Plathnerstraße, Hannover  (E, K)

1995 „Frühlingserwachen”, 78. Herbstausstellung niedersächsischer Künstler, Kunstverein Hannover (G, K)

„Sehnsucht nach Italien - heute”, Kunstverein Heidelberg/Lindenau-Museum Altenburg (G, K)

1996 Deutscher Kunstpreis der Volksbanken und Raiffeisenbanken, Kunstmuseum Bonn und Kunstverein Wiesbaden (G, K)

„Wiedersehen”, 79. Herbstausstellung niedersächsischer Künstler, Kunstverein Hannover (G, K)

1997 Simultanhalle Köln (E)

„konkrete kunst & cinétisme & op art”, Galerie Der Spiegel, Köln (G)

1998 Künstlerhaus Göttingen (E)

2000 Galerie Simon–kö 24, Hannover (E, mit Giso Westing)

2001 „Live Art”, Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon und www.live-art.tv (G)

„Wer hat Angst vor Roger Whittaker?”, Freunde Aktueller Kunst, Zwickau (G, K)

„rolex_nord”, Atelierhaus Voltmerstraße, Hannover (G)

„Vom Zufall und vom Glück”, Galerie Vom Zufall und vom Glück/KUBUS, Hannover (G, K)

2002 „Perspektiven”, 81. Herbstausstellung niedersächsischer Künstler, Kunstverein Hannover (G, K)

2003 „6 x 6”, paulGALERIE, Bremerhaven (E)

„F.M.R.”, Kunstverein Wolfenbüttel (E)

2004 „Hotel Eden“, Ludwigturm im Innenhafen, Duisburg (G)

„Panorama”, 82. Herbstausstellung niedersächsischer Künstler, Kunstverein Hannover (G, K)

2006 „chambre d‘art III”, M. Wauquier und B. Dierks, Lübeck (E)

„Heimspiel”, 83. Herbstausstellung niedersächsischer Künstler, Kunstverein Hannover (G, K)

2007 Galerie der Niedersächsischen Lottostiftung, Hannover (E, K)

„Werk 07”, Kunstmuseum Heidenheim (G, K)

2008 „Darf es etwas weniger sein?”, pp projects, Peter Pfertner, Hamburg (G)

2009 „Kühle Analysen”, Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon (G)

Sparkasse Stade - Altes Land, Stade (E)

2010 „Leinen los!”, 85. Herbstausstellung niedersächsischer Künstler, Kunstverein Hannover  (G, K)

„Zwischenbericht”, Künstlerhaus Göttingen (E)

Allgemeiner Konsumverein, Braunschweig (E)

2011 7. Bremer Kunstfrühling 2011, Gleishalle am Güterbahnhof, Bremen (G, K)

„Außer Haus”, Sammlung Sparkasse Stade–Altes Land zu Gast im Kunsthaus Stade  (G, K)

2012 „Jetlag”, Halle 6, Hannover-Messe Industrie und Kunsthalle Faust, Hannover  (G, K)

„Kunst findet Stadt” (im Stadtraum von Wolfenbüttel), Kunstverein Wolfenbüttel  (G, K)

„People Who Work Nearby”, Voßstraße 38, Hannover  (G)

2013 „The Established Institute”, Voßstraße 38, Hannover  (G)

2014 „Service Lift”, Atelierhaus Spichernstraße 24 a, Hannover  (G)

2015 „Konkret mehr Raum”, Kunsthalle Osnabrück  (G)

2017 „Simulacri”, Kunsthalle Faust, Hannover  (G)

„The Fountain Mémoire”, Atelierhaus Spichernstraße 24 a, Hannover (G)

„Simulacri 2”, Galerie bipolar / Monopol, Leipzig  (G)

„The Fountain Mémoire”, Projektraum AKKU, Stuttgart  (G)

„Absichtlich/zufällig” Sprengel Museum, Hannover  (G)

2019 „Malerei! 31 Positionen”, Städtische Galerie Lehrte / Schloss Landestrost, Neustadt a.R.  (G)

„The Fountain Mémoire”, Deutscher Künstlerbund, Berlin  (G, K)

Farbwahl-Projekte

1995 „Die Farbe der Industrie”, in der Ausstellung „Junge Kunst aus der Region“, Kreismuseum Peine

„Die Farbe der Industrie”, in der Ausstellung „Junge Kunst aus der Region“, Kunstverein Uelzen

1996 „Die Farbe der Heimat”, in der Kunst-Stiftung Celle mit Sammlung Robert Simon, Bomann-Museum Celle

„Die Farbe der Industrie”, im „Salon Salder 96“, Städtische Kunstsammlungen Schloss Salder, Salzgitter

„Die Farbe der Kultur”, in der Ausstellung „Wiedersehen“, Kunstverein Hannover

1997 „Die Farbe der Kultur”, Simultanhalle Köln und Bezirksamt Köln-Chorweiler

„Die Farbe der Energie”, in der Ausstellung „Blickpunkt Niedersachsen“, VEW Dortmund

1998 „Die Farbe des Kapitals”, Stadt-Sparkasse Stade

1999 „Die Farbe des Wissens”, VGH, Göttingen

„Die Farbe des Wissens”, VGH, Osnabrück

2001 „Die Farbe der Kommunikation”, Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon, Gymnasium Kleine Burg, Braunschweig und im Internet, www.live-art.tv

„Die Farbe der Musik”, in der Ausstellung „Wer hat Angst vor Roger Whittaker?“, Freunde Aktueller Kunst, Zwickau

„Die Farbe der Seele”, Kunstraum Alte Wäscherei und Klinikum Langenhagen

2006 „Die Farbe der Zukunft”, Bomann-Museum/Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon und Stadtbibliothek Celle

2007 „Die Farbe der Industrie” / „Die Farbe der Kultur”, Bildhauersymposion Heidenheim

„Die Farbe der Zukunft”, artist Kunstmagazin

2010 „Die Farbe der Kultur”, Künstlerhaus Göttingen

2013 „Die Farbe der Wissenschaft”, Teil der Veranstaltung „Wertedenken – Denkenswertes“, Schloss Herrenhausen, Hannover

2015 „Die Farbe der Zukunft”, Kunsthalle Osnabrück/Felix-Nussbaum-Haus

 

Arbeiten in öffentlichen Sammlungen

ahlers collection, Herford

Deutsche Bank, Braunschweig

Dragoco, Holzminden (Symrise)

IG BCE, Hannover

Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon

Land Niedersachsen

Landgard Blumen & Pflanzen GmbH, Sehnde

Niedersächsische Sparkassenstiftung, Hannover

SOKA-Bau, Wiesbaden

Sparkasse Hannover

Sparkasse Osnabrück

Sparkasse Stade-Altes Land

Stadt Hannover

Toto-Lotto Niedersachsen, Hannover

VGH Göttingen

VGH Osnabrück

1991 Bruno Krenz, So wohl als auch, in: „Rüdiger Stanko – Bilder 1988-1990”, Ausstellungskatalog Kunstverein Wunstorf

„Collective Memory, Colllective Consciousness”, Progetto Civitella d‘Agliano, Hrsg. Carla Zickfeld & Stefan Karkow, Italien

Michael Schwarz, Wege und Zeichen, in: „Rüdiger Stanko – Malerei”, Hrsg. Kuratorium Rudolf-Jahns-Haus e.V., Holzminden

1993 Erich Franz, Die Wirklichkeit hinter den Farben, in: „Ein Treppenhaus für die Kunst 2”, Hrsg. Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur

1995 Matthias Bleyl, „Sehnsucht nach Italien – heute”, Ausstellungskatalog Heidelberger Kunstverein, Hrsg. Hans Gercke

seit 1995 Diverse Beiträge in „BLATT  BLAD”, Künstler-Zeitschrift, Hrsg. Hlynur Hallsson, Akureyri, Island

„99 Fragen“, Beitrag zu „49 Künstler-Xerographien”, Hrsg. Piet Trantel

1997 Lothar Romain, „Einblicke in die Sammlung Robert Simon”, Hrsg. Kunst-Stiftung Celle

2000 Michael Stoeber in: „Kunstsequenzen”, Ausstellungskatalog, Hrsg. Künstlerhaus Göttingen

2001 „Wer hat Angst vor Roger Whittaker?”, CD-ROM, Hrsg. Freunde Aktueller Kunst e.V., Zwickau

Ludwig Zerull in: „Vom Zufall und vom Glück”, Ausstellungskatalog, Hrsg. Niedersächsische Lottostiftung

2002 Martin Engler, Die Melancholie des Farbstreifens, in: „Perspektiven”, Katalog 81. Herbstausstellung, Kunstverein Hannover

2007 Stephan Berg, „Rüdiger Stanko”, Künstlermonografie in der Reihe „Kunst der Gegenwart aus Niedersachsen“, Band 63, Hrsg. Niedersächsische Lottostiftung, Hannover

Joachim Kreibohm, artist Kunstmagazin Nr. 71/72

Joachim Kreibohm in: „Farbmalerei”, Sammlung Sparkasse Stade–Altes Land 1995-2011, Hrsg. Sparkasse Stade–Altes Land

2012 „Ausblick – Zurück nach vorn”, Sammlung der Sparkasse Osnabrück, Hrsg. Sparkasse Osnabrück

Michael Stoeber in: „Lieblingsfarben der Niedersachsen” – Die Kunstsammlung der VGH, Hrsg. VGH Versicherungen, Hannover

Wenn es so etwas gibt wie die List der Klarheit und des Übersichtlichen, dann steckt sie in den Arbeiten von Rüdiger Stanko. Alles, was der Hannoveraner Künstler macht und zeigt, wirkt auf eine verwirrende Art gleichzeitig zutiefst präzise und eindeutig und entfaltet doch bei näherem Hinsehen eine schimmernde Unschärfe.

Klar ist, dass dieser Mann alles in Streifen verwandelt, was er in die Finger kriegt. Das klingt übersichtlich, wird aber auf charmante Art vertrackt, wenn man sich näher darauf einlässt.

Aber fangen wir am Anfang an, zum Beispiel mit der Frage: Wie kann man nur von Streifen so besessen sein? Mögliche Antwort: Streifen sind schön und dazu im guten Sinn alltäglich (sie haben also nichts Artifizielles, Bemühtes, Fremdes), finden sich überall in unserer Kultur. Wir sehen Markisen, gestreifte Hemden, Nadelstreifenanzüge, Streifenhörnchen. Auch nicht unwichtig für Stanko: Streifen als malerisches Motiv gehören zum festen Repertoire der Moderne und ihrer Apotheose der Abstraktion. Vom Konstruktivismus bis Minimalismus gilt: Serialität und Hierarchiefreiheit des Streifen machen ihn zum geeigneten Mittel für ein Bildprogramm, das auf Selbstbezüglichkeit und Autonomie zielt.

Bei Stanko trifft sich beides: Er benutzt Streifen im Hinblick auf ihre scheinbare Objektivität und Selbstbezüglichkeit, und bringt das durch den Bezug zur Wirklichkeit, die Verhakung und Verbandelung mit der Welt, in eine schöne Reibungshitze. Stanko nimmt den Streifen als Instrument, mit dem sich Energien verdichten, komprimieren lassen, die in das Bild und seine eigene Wirklichkeit hineinführen, und gleichermaßen auch aus ihm hinaus in die Umgebung des Betrachters hinein.

Jedes Bild entsteht aus einer Mischung aus der Analyse des Umfelds, bzw. der Situation, aus der das Bild entstehen soll, aus direkter Einbeziehung der Betrachter als Handelnde, und künstlerischer Setzung, auktorialer Autonomie. Als Beispiel nenne ich das Italienbild, das 1992 aus Anlass eines Workshops in Civitella d'Agliano seinen Ursprung hat. Er erstellt eine Liste aller Farbeindrücke, die vor Ort gefunden wurden und reduziert diese auf 18 Grundfarben. Alle Teilnehmer des Workshops werden gebeten, die vier für den Ort charakteristischsten Farben auszuwählen und der Reihe nach zu ordnen.

Zuhause hat Stanko das Bild nach diesen Vorgaben umgesetzt. Sozusagen nach Anweisung. Und zwar in diesem Fall nicht von jenen „höheren Wesen“, die einst Sigmar Polke befahlen, eine Ecke seines Bildes schwarz zu malen, sondern von den Kollegen des Workshops. Ganz gibt Stanko aber die Entscheidung nie aus der Hand, auch hier nicht: Die Entscheidung über die Reihenfolge der Streifen hat er selbst festgelegt. Es ist ein vertrackt augenzwinkerndes Verfahren, in dem sich Scheinwissenschaftlichkeit, Zufall, Bild destabilisierende und Bild generierende Momente mischen.

Das Interesse an der Analyse ist durchaus ernst, aber das Bild ist im Ergebnis gar nicht so daran interessiert, als objektive Auswertung einer ortsspezifischen Untersuchung gelesen zu werden, sondern will vor allem als Kippfigur zwischen Selbst- und Weltbezüglichkeit begriffen werden. Alles kann immer auch ganz anders sein.

Streifen müssen bei Stanko immer auch in einer Analogie zu Texten und ihrer linearen Organisation gelesen werden. Lesbarkeit muss dabei aber metaphorisch begriffen werden. Die Herstellung eines Ablaufs, der lineare Folgerichtigkeit verspricht und dann aber in einer Selbstumkreisung endet. Es ist die Idee des textlosen Textes, der Übersicht, Klarheit und opake Verschlossenheit verbindet, ähnlich wie Ambivalenz des Bildes zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, ein permanentes Schimmern und Changieren.

Eine verblüffend malerisch und sinnlich wirkende Zusammenführung von völliger Abstraktion und höchster Gegenstandstreue sind Stankos Porträts. Jeder der Porträtierten ist auf den bearbeiteten Fotos buchstäblich Schicht für Schicht enthalten, und entzieht sich gerade deswegen auch völlig (höchste Präsenz als höchste Abwesenheit). Wie mit einem virtuellen Skalpell hat der Künstler nicht nur die flachen fotografischen Körper, sondern auch die lange Tradition des Porträtbildes durchschnitten und damit neu erfahrbar gemacht: Was wir vor diesen Bildern stehend sehen, ist das Porträt des Porträts: Ganz in die Ferne gerückt und doch so nah.

Stephan Berg, 2007

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