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Wissenswertes:

Monika Falke

Monika Falke bemerkt über sich selbst, dass in ihren Installationen eine Emergenz am Werk ist: etwas Fast-Notwendiges tritt in der Farbmischung aus eher einem zufälligem Zusammentreffen hervor. Stellen wir uns ihre Installation als einen Farbaltar vor: Mittig das blaue Wehen der halbdurchsichtigen Tücher, umgeben von farbsubtrahierenden und farbaddierenden Bildern. Der blau wehende Altar der Mitte nimmt dem Raum seine Begrenzung, er entgrenzt ihn.

Was ist Farbe, wenn nicht die Materialität eines Immateriellen, nämlich des Lichtes? Somit zeigt ein farbiges Kunstwerk Arbeit am Widerspruch der Farbe, die stets zugleich Materie und Immaterialität vereint. Farbe, um es metaphorischer zu sagen, ist des Lichtes Narbe. Und ein farbiges Kunstwerk testet daher eine Mitte zwischen dem Unglanz der Farbverweigerung und dem Kitsch beliebiger Farbaddition.

Bernhard H. F. Taureck

Geboren in Peine–Stederdorf, Niedersachsen

Studium an der TU Braunschweig: Chemie, Politologie, Musik

1989 – 1996 Studium Freie Kunst, Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Meisterschülerin bei Arwed D. Gorella und Steven McKenna

1990 Studienaufenthalt an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts, Paris

1989 – 1996 Mehrere sechsmonatige Studienaufenthalte in Japan, Tuschmalerei und Kalligrafie bei Rosan Sawai, Rikkyo University Tokyo

1998 ‚artist in residence‘ an der Kyoto-Seika-University, Faculty of Art, bei Akira Kurosaki, jap. woodcut printing, Kyoto/Japan

2008 25. Künstlerbegegnung Stift St. Lambrecht, Steiermark/Österreich

2009 / 10 27. und 28. Plener, Kuratorin: Dr. Bożena Kowalska, Radijowice/Polen

2015 Painting Symposium, Rothko-Center Art Museum, Daugavpils /Lettland

2017 Wilke Atelier Stipendium, Bremerhaven

lebt und arbeitet in Braunschweig

Einzelausstellungen

(M = Malerei, G = Grafik, O = Objekte, I = Textilinstallation)

1990 Torhaus-Galerie, Braunschweig, (M)

1993 Galerie im Künstlerhaus, Hannover (M,G)

ZA MOCA Foundation, Tokyo (M)

1994 Galerie Tanishima, Tokyo, (M)

Galerie Loup de Gouttiere, Quebec/Canada (M)

1995 Galerie Marghescu, Hannover, (M,G,O)

Galerie 333, Helmstedt (M,G)

1997 Galerie im 2. Gang, Staatstheater Braunschweig (M,G)

Kreismuseum Peine (M,O)

1999 Galerie Samtleben, Potsdam, (M,G)

Galerie Francoise Heitsch, München (M)

2001 Allgemeiner Konsumverein, Braunschweig, (1. Textilinstallation, M)

Öffentliche Versicherung, Braunschweig, (M,G)

2004 Szenenwechsel 03/04', Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt (I,M)

Städtische Galerie, Lehrte (M,G)

2005 couleurs spatiales' Galerie Tanner, Stuttgart (M,G)

Sparkasse Goslar/Harz, Clausthal-Zellerfeld (G)

2006 Galerie Samtleben, Potsdam (M,G)

2007 Benediktushof Holzkirchen/Würzburg (M,G,I)

2008 Evangelisches Zentrum Kloster Drübeck/Ostharz (M,G)

25. Künstlerbegegnung Stift St.Lambrecht/Steiermark (M)

2009 KUBUS + 3x KUBUS, Städtische Galerie KUBUS Hannover, (I,M) (mit Martina Bothe und Hans Wesker)

ikkp - kunsthaus rehau: institut für konstruktive kunst und konkrete poesie archiv eugen gomringer, Rehau/Hof (M,I,G)

2011 Ars & Vita e.V. Gesellschaft zur Förderung kultureller Kommunikation, München

2012 Galerie auf Zeit, Braunschweig (M,G)

2013 'fließend licht' Kunstverein Speyer, (I,M,G) (mit Edda Jachens)

2014 Mönchehaus Museum für Moderne Kunst, Goslar (M, G)

NWWK Neuer Worpsweder Kunstverein, Worpswede (I, M, G)

2015 Galerie Florian Trampler, München (I, M, G)

2016 ‚Form und Variation‘ Verein für Original-Radierung (mit H. Jeong, V. Appel, S. Hofer), München (G)

2017 Wilke-Atelier e.V., Verein zur Förderung von Kunst, Bremerhaven (M,I)

‚Farblicht‘ Galerie zum Zufall und zum Glück e.V., Hannover (I, M, G)

2018 ‚translucide‘, Kunstverein Trinkkuranlage Bad Nauheim, I,M,G)(mit Robert Krainhöfner)


Gruppenausstellungen / Auswahl

1998 3. Trienal of Original Prints, Musée des Beaux-Arts de la Ville du Locle (G)

2008 Rationale II, Frauenmuseum Bonn (I)

2010 ‚Vorreiterin‘ Gabriele-Münter-Preis-Ausstellung, Martin-Gropius-Bau, Berlin und Frauenmuseum Bonn (I)

ikkp–kunsthaus, archiv eugen gomringer, Rehau/Hof (I/M/G)

2011 ‚strahlend, aber?‘ Galerie Hoffmann, Friedberg/Hessen (I/G)

Diaphanie: Das Farbkunstwerk der Monika Falke 

1. Die gemeinsame Ausstellung von Monika Falke und Robert Krainhöfner im Kunstverein Bad Nauheim 2018 heißt Translucide. Doch, Vorsicht, das Trans soll hierbei nicht französisch als trance ausgesprochen werden, denn es steht für ein Hindurch, eine Art Jenseits, welches im Licht zum Leuchten gelangt. Trance und trancelucide dagegen würde das Jenseits der Farbe in Enthusiasmus und Rausch verwandeln. Trans-lucide, zusammengesetzt aus den lateinischen Wörtern trans und lucide (zu lux) ergeben eine eher nüchterne Angabe, ähnlich wie transparent. Ein eher unberauschtes Hindurchscheinen wird angesprochen. 

Aus der frühen griechischen Philosophie stammt der methodische Satz: ópsis gar ton adélon ta phainómena, die Erscheinungen sind ein Anblick des Verborgenen. Dies finden wir bei dem Denker Anaxagoras, einem Freund des Perikles. 1) Es gibt somit durchaus eine Möglichkeit, das sich uns Zeigende so zu lesen, dass es uns einen Einblick des ansonsten Verborgenen freigibt. Dieser Bedingung können die Plastiken von Robert Krainhöfner und Monika Falke genügen. Sie zeigen nicht Farbiges oder Leeres hinter Farben. Mittels Farben wird vielmehr ein Inneres in uns aufgeschlossen, das jeden anspricht, der zu lesen versteht.

Das Farbige soll nicht Farbiges zeigen, sondern Wahres entdecken helfen. Das lateinische Transparente erscheint griechisch als diaphaíno, als hindurcherscheinen. Monika Falke, deren Gestaltungsweg ich nunmehr seit mehr als 26 Jahren beobachte, bemerkt über sich selbst, dass in ihren Installationen eine Emergenz am Werk ist: etwas Fast-Notwendiges tritt in der Farbmischung aus eher einem zufälligem Zusammentreffen hervor. Stellen wir uns ihre Installation als einen Farbaltar vor: Mittig das blaue Wehen der halbdurchsichtigen Tücher, umgeben von farbsubtrahierenden und farbaddierenden Bildern. Der blau wehende Altar der Mitte nimmt dem Raum seine Begrenzung, er entgrenzt ihn.

2. Was ist Farbe, wenn nicht die Materialität eines Immateriellen, nämlich des Lichtes? Somit zeigt ein farbiges Kunstwerk Arbeit am Widerspruch der Farbe, die stets zugleich Materie und Immaterialität vereint. Farbe, um es metaphorischer zu sagen, ist des Lichtes Narbe. Und ein farbiges Kunstwerk testet daher eine Mitte zwischen dem Unglanz der Farbverweigerung und dem Kitsch beliebiger Farbaddition. Diese Mitte lebt, sie meidet den Unglanz der Farbverweigerung und Fäule der Verkitschung. Wie mag eine solche Mitte zustande kommen?

3. Wiederum aus der ältesten Denkschicht der Antike erscheint jenes Malergleichnis des Denkers Empedokles:  Die Maler schaffen mit ihren Farben Gestalten, indem sie Bäume bilden und Männer und Frauen und Tiere und Vögel und sich im Wasser ernährende Fische und Götter. 2) 

Doch dieses Gleichnis soll die Kunst eher als falschen Schein zeigen. Die Menschen, die Tiere und die Götter bilden Illusionen. Zwar vermag der Maler mittels Farben und Farbmischung alles zu zeigen, aber das Resultat bleibt unwahr. Ganz anders der Faust Goethes zu Anfang des zweiten Teiles: (Es) 

Wölbt sich des bunten Bogens Wechseldauer
[…] 
Die spiegelt ab das menschliche Bestreben.
Ihm sinne nach, und du begreifst genauer:
Am farbigen Abglanz haben wir das Leben. 3)

Man beachte die Wendung Wechseldauer des Regenbogens. Das Flüchtige des Farbspektrums, es bleibt trotz Flüchtigkeit erhalten und zeigt uns die Farbe als verdichtetes Leben. Und worin besteht dieses Leben? Als Stabilität des Instabilen, als Selbsterhaltung eines Gleichen im Verfließen des Zeitlichen.

4. Neben Goethes Zeilen existiert noch eine andere Bezugnahme. Ein Dichter erlebt etwas, was sich nicht vorstellen lässt, außer es wird von uns bezeugt:

Wie wunderbare Blumen waren da,
Mit Kelchen dunkelglühend! Pflanzendickicht,
Durch das ein gelbrot Licht wie von Topasen
In warmen Strömen drang und glomm. Das Ganze 
War angefüllt mit einem tiefen Schwellen 
Schwermütiger Musik. Und dieses wusst ich,
Obleich ichs nicht begreife, doch ich wusst es:
Das ist der Tod. Der ist Musik geworden,
Gewaltig sehnend, süß und dunkelglühend,
Verwandt der tiefsten Schwermut. 4)

Der Dichter ist der 18jährige Hugo von Hofmannsthal des Jahres 1892. Er erlebt symbolisch, wie er starb. Sein Tod wird verfarblicht im Rhythmus schwermütiger Musik. Sein eigenes Wissen des eigenen Todes widerspricht dem eigenen Begreifen, doch das eigene Begreifen ist stärker als das Wissen. Der Tod geschieht als dunkles Glühen wunderbarer Blumen und als ein gelbrotes Licht, Topasen ähnlich. Tod: Verlöschen, Preisgabe der eigenen Existenz, Verlust der eigenen Individuation, Abgabe der eigenen Einmaligkeit in ein anderes Element, an den Tod als Farbleuchten. (Das farbige Kunstwerk, das am farbigen Abglanz bei Goethe sein Leben findet, dieses Kunstwerk wird lebensfähig, indem es zugleich todesfähig wird. Für den jungen Dichter Hofmannsthal ist der Tod nicht allein Entzug der individuellen Einmaligkeit, sondern die erlebte Zeit des Eintritts in etwas, das stärker ist als das Individuelle: der schwermütige, farbliche visus eines überindividuellen Rhythmus, der Leben und Tod vereint.)

Zum Thema Tod als etwas eher Beglückendes lesen wir in Hofmannsthals Dramolett Der Tor und der Tod (1893) jene lebensbejahenden Zeilen, die der Tod spricht:

Wirf dies ererbte Graun von dir!
Ich bin nicht schauerlich, bin kein Gerippe!
Aus des Dionysos, der Venus Sippe,
Ein großer Gott der Seele steht vor dir. 5)

Im Hintergrund werden Schillers Zeilen hörbar, dass für die Griechen (jedenfalls teilweise) der Tod nahezu das Gegenteil des Schauerlichen besagte:

Damals trat kein grässliches Gerippe
Vor das Bett des Sterbenden. Ein Kuss
Nahm das letzte Leben von der Lippe,
Seine Fackel senkt' ein Genius. 6)

Nochmals: Ein farbiges Kunstwerk sollte lebende Farben zeigen, in denen zugleich ein Leuchten des Todes aufscheint. Vielleicht bleibt es Aufgabe des Farbkunstwerks, Leben mit dem Tod so zu verbinden, dass das Leben seinen Ernst an der Todesgrenze findet und dass dieser seinen Schrecken in seiner aufblitzenden Leuchtchance verliert.

5. Der Weg der Farbe ist ein Weg der Arbeit am Widerspruch zwischen immateriellem Licht und farbig-materiellem Leuchten, der sich als Kunst der geheimnisvollen Mischung aus Lebendigem mit dem Rhythmus des Todes erweist.

In Monika Falkes Diaphanie-Installationen, verbunden mit den durchscheinenden Plastiken von Robert Krainhöfner sinnreich auf die Anregung von Herrn Lenz und seines Teams arrangiert, scheint ein materielles Leuchten des immateriellen Lichtes. 

Es bleibt nichts mehr Endliches zu ergänzen. Zu ergänzen ist allein das Unendliche:

Je tiefer das Blau wird, desto mehr ruft es den Menschen in das Unendliche, weckt in ihm Sehnsucht nach Reinem und schließlich Übersinnlichem. 7)

Und auch vom Weiß der Farbe könnte Kandinskys Aperçu gelten:

Das Weiß klingt wie Schweigen, welches plötzlich verstanden werden kann. 7)

 

 

1) Anaxagoras, Fragment 21a, Diels/Kranz.

2) Empedokles, Fragment B 26, Diels/Kranz.

3) Goethe, Faust II, 4716-4727.

4) Hugo von Hofmannsthal, Erlebnis. In: Gedichte und keine Dramen . Suhrkamp 1966, 8f.

5) Hofmannsthal, aa0, 83.

6) Schiller, Strophe IX von: Die Götter Griechenlands. In: Sämtliche Gedichte 1. Teil . 1975: dtv. München, 149.

7) W. Kandinsky 1970: Über das Geistige in der Kunst. 9. Auflage, mit einer Einführung von Max Bill. Benteli: Bern, 92 und 96.


Prof. Dr. Bernhard H. F. Taureck i.R.
Seminar für Philosophie
Technische Universität
Carolo-Wihelmina zu Braunschweig

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