Kontaktadresse:

Heger Straße 16
49074 Osnabrück

E-Mail: johannes.eidt(at)gmx.de
Johannes Eidt
Die Formensprache Johannes Eidts zeichnet sich sowohl durch surreale Komponenten als auch durch Bezüge zwischen zwei so unterschiedlichen Traditionen wie der europäischen und der japanischen Grafik aus. Aus dem
unmittelbaren Kontakt mit der japanischen Kultur und mit japanischen Künstlerpersönlichkeiten – anfangs als Kunststudent, später auch als Lehrender – hat die Kunst von Johannes Eidt wesentliche Impulse bezogen.

Eidts Grafiken wurden in zahlreichen Ausstellungen in Deutschland, Europa sowie Japan gezeigt. Das Image der Osnabrücker Kultur prägt er mit seinen vielen grenzüberschreitenden bzw. internationalen Aktivitäten im Bereich der bildenden Kunst seit den 60er-Jahren wesentlich mit. So hat sich die Aufmerksamkeit, die dem Künstler Johannes Eidt seit mehr als 40 Jahren über die Grenzen Osnabrücks hinaus gewidmet wird, in zahlreichen Einzelausstellungen, u.a. in Tokio, Zürich, Paris, Perth (Australien), London, Hiroshima und Urawa (Japan) niedergeschlagen.

1936
Geboren in Osnabrück

1956-58
Studium der Malerei an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart (Prof. Heinrich Wildemann)

1960-62
Studium der Druckgrafik an der Tokyo University of the Arts (Prof. Tetsuro Komai)

1963
Gründung eines Ateliers mit Lithografiewerkstatt in Osnabrück

1969-72
Assistent im Grafik Seminar an der Tokyo University of Arts

1974
Gaststudium an der Gesamthochschule Kassel

1977
Gaststudium an der École des Beaux Arts Angers, Frankreich

1978-79
Lehrauftrag an der Tokyo University of the Arts

1982
1. Preis der SHUN-YO-KAI Gruppe, Tokyo Metropolitan Art Museum

1982
Aufenthalt in New York

1983-86
Lehrtätigkeit an der Universität Hildesheim

1987
Preisträger des Wettbewerbs „Kunst und Telefon“ der Deutschen Bundespost

1988
Gastkünstler der Paul-Ernst-Wilke-Gesellschaft Bremerhaven

1990
Lehrauftrag am internationalen Grafik-Museum in Machida, Tokio

2003
Preisträger des Projektes „Fahnenmeer“ der Kunsthalle Wilhelmshaven

2007
Ausstellung „Wanderer zwischen den Welten“ – Grafiken und Collagen aus 50 Jahren,
Kunsthalle Dominikanerkirche Osnabrück

2012
Bundesverdienstkreuz für sein Engagement als Vermittler zwischen den Kulturen Japans und Deutschlands

2013
Aufenthalt in New York

2018
Kunstpreis des Landschaftsverbands Osnabrück


lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Osnabrück


Mitglied in den Künstlergruppen:

- B-71, Göttingen

- Japanischer Künstlerbund SHUN-YO-KAI

- Künstlergruppe ARCHE, Hameln

- BBK Bund Bildender Künstler Niedersachsen

Ausstellungen seit 2007

2007
Osnabrück – Kunsthalle Dominikanerkirche
Gallery Yanagisawa, Urawa/Tokyo
Kunstverein Nordenham

2008
Kunstspeicher Mettingen
Sezession Nord, Wilhelmshaven

2009
Kammersaal Friedenau, Berlin

2011
Künstlervereinigung Nordbrücke, Wiesmoor
Paul-Ernst-Wilke-Gesellschaft, Bremerhaven
Galerie Petra Höcker, Osnabrück
Bersenbrücker Museum des Landkreises Osnabrück

2012
Kulturhof Westerbeck, Westerkappeln

2013
Gallery Yanagisawa, Urawa/Tokyo
Gallery BUN RIN KAN, Hakodate

2015
Gallery SO Fine Art Editions, Dublin

2016
Kunstverein Fürstenau

 
Ausstellungen in Museen

1964
Flensburg – Städtisches Museum

1965
Worpswede – Kunsthalle Netzel
Oldenburg – Landesmuseum

1968
Worpswede – Kunsthalle Netzel

1973
Bremen – Modersohn-Becker-Haus
Osnabrück – Kulturgeschichtliches Museum

1974
Nürnberg – Pellerschloss Fischbach

1975
Sögel – Emslandmuseum Clemenswerth

1977
Ahaus – Schloss Heek

1979
Lünen – Graphisches Kabinett

1983
Meersburg, Bodensee – Neues Schloss

1985
Angers – Hôtel de Ville d’Angers, Salle Chemellier
Toyota – Shokyodo Museum

1993
Tsuruoka – Matsugaoka Museum

 
Ausstellungen in Kunstvereinen

1964
Kunstverein Salzgitter

1966
Kunstverein Marburg

1968
Kunstverein Salzburg

1969
Kunstverein Heilbronn

1970
Kunstverein Salzgitter

1973
Kunstverein Bremerhaven
Kunstkreis Lingen

1974
Kunstverein Leinfelden

1975
Kunstverein Heidenheim

1977
Kunstverein Konstanz
Kunstverein Marburg

1978
Kunstverein Nordenham

1980
Kunstverein Heidenheim

1984
Kunstkreis Lohne
Kunstverein Hildesheim

1985
Kulturverein Hasbergen

1986
Kunst+Kultur-Kreis Damme

1987
Kunstverein Nordenham

1989
Kunstverein Meppen

1991
Kunstkreis Bad Essen

1992
Kunstverein Nordenham

1993
Kunstverein Recke

1994
Kunstverein Hildesheim

 

Ausstellungen in Galerien

1962
Tokyo – Gallery Churin

1963
Hannover – Kunstkabinett am Steintor
Hamburg – Galerie im Bauzentrum

1965
Hannover – Kunstkabinett am Steintor

1966
Zürich – Galerie Beno

1967
Mainz – Galerie Gurlitt

1968
Darmstadt – Galerie Garuda
Chichibu – Gallery Karasu

1969
Delmenhorst – Galerie Pro Arte

1970
Tokyo – Gallery Aoki
Bad Salzdetfurth – Galerie Daenert

1972
Hamburg – Galerie Von der Höh
Hannover – Kunstkabinett am Steintor

1973
Berlin – Galerie Haberkorn
Gießen – Galerie Remmele

1974
Darmstadt – Galerie Hennig
Bissendorf/Hannover – Werkhof Galerie
Gütersloh – Galerie Friedemann

1976
London – Gallery Fisher
Reutlingen – Galerie am Ledergraben
Oldenburg – Galerie Schumann
Gütersloh – Galerie Friedemann

1977
Bad Zwischenahn – Galerie Moderne
Cloppenburg – Galerie „3“

1978
Wilhelmshaven – Galerie Art Formation
Darmstadt – Galerie Hennig
Hamburg – Galerie „L“-Finkenstein
Tsuruoka – Gallery San-Sui

1979
Tokyo – Gallery „77“ Ginza
Osaka – Gallery Flower-Collection
Yamagata – Gallery Shirogane-Bijutsukan
Tsuruoka – Gallery San-Sui
Paris – Galerie Yomiuri
Lünen – Rathausgalerie
Gütersloh – Galerie Friedemann

1980
Otterndorf – Rathausgalerie
Tokyo – Gallery Ko-Nakano
Perth – Gallery Düsseldorf
Bad Salzdethfurth – Galerie Daenert

1981
London – Gallery Fisher
London – Gallery Mandeer

1982
Münster – Galerie Leisten & Thiessen
Hemer – Galerie Monika Elisabeth

1983
Versmold – Galerie Blumensaat
Tokyo – Gallery „77“ Ginza
Chichibu – Gallery Karasu
Ashiya – Gallery Ashiya Mate
Hakodate – Gallery Hakodate
Yamagata – Gallery Shirogane-Bijutsukan
Tsuruoka – Gallery San-Sui
Sakata – Gallery Hangetsu
Tokyo – Gallery Ko-Nakano
Osaka – Gallery Flower-Collection

1984
Wilhelmshaven – Galerie Art Formation
Wildeshausen – Galerie Wildeshausen
Chichibu – Gallery Karasu

1985
Hameln – Galerie Arche

1986
Tsuruoka – Gallery San-Sui
Hakodate – Gallery Art Center
Hiroshima – Gallery Tamura
Tokyo – Gallery „77“ Ginza

1987
Friedrichshafen – Hofener Galerie
Oldenburg – Mühlengalerie
Tokyo – Gallery Ko-Nakano
Urawa/Tokyo – Gallery Yanagisawa

1988
Duisburg – Atelier Pohl
Hamburg – Galerie Raute

1989
Wilhelmshaven – Galerie Perspektive
Hiroshima – Gallery Tamura
Tokyo – Gallery „77“ Ginza

1990
Wilhelmshaven – Galerie Art Formation
Urawa/Tokyo – Gallery Yanagisawa

1991
Wuppertal – Galerie Polyprint
Hakodate – Seibu Department store gallery

1992
Tokyo – Gallery „77“ Ginza
Gelsenkirchen – Galerie Stein
Wildeshausen – Galerie Wildeshausen
Yamagata – Gallery Shirogane-Bijutsukan
Hiroshima – Gallery Tamura

1993
Urawa/Tokyo – Gallery Yanagisawa

1994
Urawa/Tokyo – Gallery Yanagisawa
Dublin – Pantheon Gallery

1997
Gütersloh – Galerie Friedemann

1998
Hiroshima – Gallery Tamura
Urawa/Tokyo – Gallery Yanagisawa

1999
Hannover – BBK-Galerie im Künstlerhaus
München – Baldhamer Kunstgarten
Duisburg – Galerie Stüssel

2000

Hannover – Studio Arcus

2001
Osnabrück – Galerie Clasing

2001
Hameln – Galerie Arche

2003
Urawa/Tokyo – Gallery Yanagisawa
Yamagata – Gallery Shirogane-Bijutsukan

2004
Lingen – Galerie Charly Monecke

2006
Osnabrück – Galerie Clasing

Prof. Klaus Dierßen

Phänomene und Strukturen der Bildwirklichkeiten von Johannes Eidt

Ein konsequentes und homogenes, jedoch noch nicht abgeschlossenes Künstlerleben offenbart sich in dem vorliegenden umfangreichen Oeuvre von Johannes Eidt. »Unbeirrt weitermachen!«, bekennt er. Nahezu alle grafischen Arbeiten von Eidt sind mit Herstellungsdatum und zum Großteil mit den jeweiligen Käufern oder Besitzern in so genannten Kladden notiert und archiviert. Das verdeutlicht den ihm wichtigen personalen Bezug zu seinen KunstfreundInnen. »Jeder Handwerker kennt seine Kundschaft.«, sagt Johannes Eidt. Neben einer in positivem Sinne besetzten Akribie zeigt sich darin auch seine Haltung zur Kunst. Ihm ist Beständigkeit und Unverwechselbarkeit wichtig, was in der Kunstwissenschaft mit Stilwollen bezeichnet wird. Diesem Ausdrucksbemühen und phänomenalen Zeichenfindungsprozess soll im Folgenden näher nachgegangen werden, indem versucht wird, mit Worten ein stückweit in seine Bildwelt einzutreten. Die relativ kleinformatigen pastellfarbenen Grafiken leben eigentlich vom Auge-Hand-Abstand, sind geradezu intime Werke, denn sie haben klassisches Grafikformat. Sie folgen nicht den heute üblichen spektakulär großformatigen Bigprints mit häufig geradezu werbend dominanten Farbund Formgebungen. Es sind vornehmlich dezente Zwischentöne, die Eidt interessieren. So baut er seine Bilder in verhalten gebrochenen, subtil gemischten Farbtönen auf, die eine bestimmte, für ihn typische Farbpalette abdecken.

Johannes Eidt entwirft und konstruiert eigene Bildwelten, deren Räume, Dinge und Wesen zwar irgendwie bekannt, jedoch durch ihren phantasievoll umgedeuteten Hintersinn befremdlich erscheinen. Es sind bestimmt Störfaktoren am und im Werk. Die intelligenten Bildtitel tragen ihr Übriges dazu bei: Der Überschuss rollt geradezu übermütig daher oder es wird eine Landschaft mit Schutzhütte angeboten, die mit ihren Utensilien besser Stillleben als Landschaft ist. Zu fragen wäre allerdings, ob Friede von einem Düsenjäger am Himmel geschützt oder gestört wird? Bild und Texttitel gehen bei Eidt eine spannungsvolle Symbiose ein, in der sich Wort- und Bildwitz treffen. Er liebt derartige Wortspiele, die häufig der Umgangssprache und ihren Redensarten entlehnt sind. Mithin erscheint alles mehrdeutig und vielschichtig. Seine Bilder entrücken aus der Alltagswelt ohne diese zu verleugnen, im Gegenteil, sie beziehen sich auf sie und sind aus ihr entwickelt. Doch entführen diese Bilder in eine andere phantastische Vorstellungswelt. »Erkennen, was uns umgibt und uns angeht« nennt es Eidt. Ihn interessiert das Unbeachtete, er beschreitet Nebenwege. Es sind Realitätsfragmente aus der kontingenten Wirklichkeit des Alltags, welche die Phänomene überlagern und ausschließlich deren nutzbringende Funktion gelten lassen, worauf die Wahrnehmung ausgerichtet wird. Dieses führt in der Folge zu einer Nicht-Wahrnehmung der Realität. Johannes Eidt nun beschreitet bewusst den Weg der Falschnehmung um zu sensibilisieren. Auf diesem Wege schafft er Gegen- oder Vexierbilder als andere Sichtweisen, die das Sehen vorführen und so zu erweiterndem Sehen anregen wollen. Augen sollen geöffnet und das Verständnis der Welt erweitert werden. Der Betrachter mag sich dabei wundern, erfreuen, erschrecken oder sich gar ängstigen.

Der Künstler verwandte über Jahre vielfach Papierfetzen, Wellpappen, Spitzen, Textilreste, jedwedes nur irgendwie mit einer strukturierten, plastischen Oberfläche versehenes Material, das bildnerisch umgesetzt und in das Bildgefüge integriert wird, um den Strukturreichtum seiner Bilder zu schaffen. Demgegenüber bleiben andere Bildmotive illusionistisch realitätsbezogen: Landschaftliches, Gebautes, Technoides, Objekthaftes der zeitgenössischen Kulturwelt, wobei immer ein mögliches Verhältnis dazu mit thematisiert wird.
Alle Bilder von Eidt sind deutlich der Collage, dem fundamentalen Gestaltungsprinzip des 20. Jahrhunderts, verpflichtet. Sie stellt eine Möglichkeitsform dar, der die Dekonstruktion der klassischen Bildordnung und ihrer illusionistisch zentralperspektivischen Darstellung programmatisch eingeschrieben ist. Stattdessen bietet sie die Kombination von allem und jedem, aperspektivisch, flächig und strukturell, gar widersinnig und zufällig. Auffallend ist das Gestaffelte der Bilder, deren Elemente wie hintereinander gebaut erscheinen. Selbstverständlich ist Eidt mit seinem Collagieren an Kurt Schwitters und Max Ernst orientiert. Auch er versucht über den profanen Alltag hinauszuschauen, durch ihn hindurch und dahinter, um so zu etwas Anderem oder gar Neuem zu gelangen. Als Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist er geprägt von der so genannten klassischen Moderne, vom Jugendstil, den Abstraktionsbestrebungen etwa des Kubismus und des Konstruktivismus. In besonderer Weise fühlt er sich Paul Klee verpflichtet, der wie er eine poetische Bildwelt erschuf, die unter anderem ebenfalls aus der Spannung von Bild und Titeltext lebte. War Klee jedoch im Reich des phantastisch Jenseitigen zu Hause, so ist Eidt stärker der diesseitigen Wirklichkeit verhaftet. Er versteht sich als Zeitgenosse und versucht zu durchschauen, um einen Hintersinn kenntlich zu machen. Seine Bilder geben etwas zu erkennen, was ohne diese nicht wahrnehmbar wäre: Hervorheben und verdeutlichen auf dem Wege der schon klassischen Verfremdung, der brechtsche V-Effekt. Aber als Realist wäre Eidt nur unvollkommen charakterisiert, obwohl ihm an Gegenständlichkeit immer gelegen ist. Vielmehr versucht er rätselhafte Phänomene der Wirklichkeit aufzulösen und in neue Formen einzukleiden, ästhetisch zu verkleiden, Entkleidung durch Verkleidung. Bei und mit ihm zeigt sich eine geheimnisvolle Phantasiewelt für Erwachsene, ausgesprochen poetisch in Bild und Wort. In seiner Bilderwelt wird ein harmonischer Ausgleich von Polaritäten versucht, wenn auch eine Art von Stachel spürbar bleibt, der zwar kratzen aber nicht schmerzen muss. Damit unterscheidet er sich deutlich von einem kritischen Realisten. Bei Eidt ist es mehr eine phantastische andere Überwelt mit durchaus surrealen Anklängen, wobei ein weiteres verbindendes Prinzip das Humorvolle ist, mit Ironie und Bild-Witz wird Wirklichkeit auf die Schippe genommen. Verständlich, dass ihn auch die Op-Art interessierte, mit ihren Wahrnehmungstäuschungen und Irritationen als Augenreizen. Deren optische Verwirrspiele sind selbstkritisch reflexiv auf die Bildwirklichkeit und ihre Mittel, etwa das Illusionistische, bezogen. Es ist allenthalben eine Infragestellung von Realität und ihrer Wirklichkeit im Bild mit dem Ziel einer Neuerfindung am und im Werk. An diesem Projekt ist Johannes Eidt beteiligt. Die Absurdität und das Destruktive des Dadaismus liegen ihm nicht, näher steht er dem Pop der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. Obwohl sein Arbeitsprozess zwar einerseits durchaus als spontan anzusehen ist, denn er nimmt den Zufall bewusst mit in seine Bilder auf, wächst seine Bildidee andererseits vor dem Hintergrund eines klar kalkulierten Bildkonzepts und entfaltet sich innerhalb einer straffen Produktion. Denn seine Arbeitsweise sieht Johannes Eidt nicht als spontan, sondern sehr beherrscht, ernst und höchst konzentriert. Disziplin fordern schon die Drucktechnik und das Papier. Gleichwohl entstehen diese Bilder im Machen, einem Entstehen im Werden, neben der Collage ein weiteres Prinzip der Kunst des vergangenen 20. Jahrhunderts. Überkommene Regeln und Normen haben dabei kaum noch Gültigkeit, alleinige Instanz wird der Künstler mit seiner Leitidee.
Doch die Bilder von Eidt sind nicht konzeptuell intellektuell, sondern intelligent sinnlich. Ihre geistig-emotionale Mitte findet dessen Kunst in der Synthese, dem Vermittelnden. Die Formen und Aussagen der Bilder finden sich in ihm personifiziert: aufgeschlossen und kritisch, humorvoll und menschlich, sensibel und bestimmt, differenziert und klar, insgesamt ausgleichend positiv und harmoniegeleitet. Das alles macht seine Kunst ausgesprochen sympathisch.

Vor diesem Hintergrund seien einige diese Kunst bestimmende Momente beschrieben, wobei das Biografische in vielem von Bedeutung ist. Der Osnabrücker Eidt absolvierte anfangs eine Malerlehre und dann ein Studium der Bildenden Kunst an der Stuttgarter Akademie. Es zog ihn immer wieder hinaus in die Welt, insbesondere nach Asien. Eine Zeitlang ließ er sich in Japan nieder, studierte dort weiter, lehrte sogar in Japan und ehelichte eine Japanerin. Ein japanischer oder asiatischer Einfluss ist somit kaum zu leugnen und offensichtlich in der Farbwahl, der besonderen Perspektivik und der strukturellen Grafik, den Lichtverhältnissen und ungewohnten Ansichten mit Überschneidungen, Ausschnitten, verschobenen Achsen, Überlagerungen, leeren Zwischenräumen sowie im Austarieren von Flächigkeit und Struktur. Draufsicht wechselt mit Einblick, Unten und Oben werden verkehrt, letztlich findet sich das Kalligrafische ebenso wie das Ornamentale. All diese Merkmale und Erscheinungsformen sind in der modernen Kunst üblich, allenthalben aber mitbestimmt durch außereuropäische Kulturen. In letzter Zeit wendet er sich verstärkt der Abstraktion zu, das Illusionistische des Fensters zur anderen Welt wird zugunsten konstruktiv-flächiger Gestaltung zurückgenommen, womit er in den Aussagen allgemeiner wird und sich mit interessiertem Blick auf Anton Stankowski stärker auf das Formale der Kunst bezieht.

Johannes Eidt bedient sich einer Technik, deren Ursprung in Asien liegt. Es ist die Siebdrucktechnik, wie sie nüchtern fachspezifisch heute genannt wird, ein Schablonendruckverfahren, dessen künstlerische Variante genauer als Serigrafie bezeichnet wird. Der Begriff setzt sich zusammen aus dem griechischen Serikon, das Seide sowie graphein, das Schreiben oder Ritzen bedeutet, auch Seidensiebdruck genannt. Seidengewebe ist heute durch Polyester ersetzt. Es handelt sich dabei um ein Verfahren, das als Reservagetechnik in Asien eine lange Tradition unter anderem beim Stoffdruck zum Beispiel für Kimonos hat. Es gilt als das älteste Vervielfältigungsverfahren überhaupt.
Hergestellt wurden diese japanischen und chinesischen Stofffärbeschablonen im 19. Jahrhundert aus hartem Papier, japanisch Katai-Gami. Zweilagig geschnitten, wurden die freien losen Teile der Schablone gesichert, indem ein feines Netz aus Fäden, häufig Frauenhaar zwischen die zwei Papierlagen geklebt wurde. Diese Bindung heißt Ito-Ire, Fäden einziehen. Die gesamte Färbeschablone heißt dann Katagami Ito-Ire.
Heutzutage ist der Siebdruck wesentlich stärker technisiert, prinzipiell aber unverändert. Ein auf einen rechteckigen Holz- oder Metallrahmen gespanntes feines aber durchlässiges Gewebe wird partiell durch verschiedene Methoden verschlossen, so dass es an diesen Stellen keine Druckfarbe durchlassen kann. Die eher dickflüssige Farbe wird beim Druckvorgang mit einer so genannten Rakel durch die offenen Stellen auf das darunter befindliche zu bedruckende Material durchgedrückt. Von daher handelt es sich um ein Durchdruckverfahren. Johannes Eidt beherrscht dieses Verfahren meisterhaft und pflegt es in traditionell handwerklicher Reinheit und Perfektion. Er stellt die Siebschablone rein manuell durch Malen mit Pinsel und Abdeckmasse im Sieb her und druckt seine Auflagen in kleiner Stückzahl zwischen fünfzig und einhundert Exemplaren selbst in seinem eigenen Druckatelier, das sich neben seiner besuchenswerten Werkstattgalerie in der Osnabrücker Altstadt befindet. Fotosiebdruck und Druckautomaten sind ihm fremd, er bleibt elementar und einem traditionellen Handwerksethos verpflichtet. Dabei nutzt der Künstler den vervielfältigenden Siebdruck im Sinne des Diktums einer Demokratisierung der Kunst mit sozialer Komponente und folglich relativ günstigem Verkaufspreis. Er produziert aber auch Originalgrafik in dem Sinne, dass das betreffende Bildwerk nur so und nicht anders gestaltet werden kann. Johannes Eidt ist als Künstler immer Einzelgänger und -kämpfer gewesen, er ist ein Selfmademan der Kunst, ihm war immer an größtmöglicher Autonomie gelegen. So hat er sich nie dem Kunstmarkt und seinen Mechanismen des Galerie- und Museumsbetriebs überantwortet. In geradezu demütiger Bescheidenheit hat er sich unter bewusster Wahrung seiner Unabhängigkeit eine künstlerische Existenz aufgebaut, von der er in Selbständigkeit zu leben verstand, wofür ihm allenthalben Respekt und Bewunderung gezollt wird.

Sein Schaffensprozess insgesamt kann idealerweise als Einheit stiftend angesehen werden, eine Eigenschaft, die in heutiger Zeit mehr und mehr abhanden kommt. Umso mehr löst es Bewunderung für ein solcherart Schaffen aus – stellt doch eine perfekte handwerkliche Tätigkeit in Verbindung mit künstlerischem Ausdruck eine klassisch idealtypische Form der Verwirklichung dar.
Die Serigraphie ist wie kein anderes Druckverfahren dazu prädestiniert mit Farbe zu gestalten. Sie steht der Malerei näher als der klassischen Grafik. So mag es auch nicht verwundern, dass Johannes Eidt sich eher als Maler denn als (Druck-) Grafiker versteht, denn seine Druckgrafiken leben durch vielfältig gemischte Farben und weniger durch zeichnerische Momente. Für jede Farbe muss eine Siebschablone hergestellt werden. Der Aufwand ist in seiner Komplexität anschaulich, wenn man versucht, die Anzahl der Farben in einem Bild zu zählen. Es wird dabei offenkundig, dass der Künstler in vielfältiger Weise einen lasierenden, also transparenten Einsatz des Farbdrucks und die damit verbundenen Farbmischungen nutzt. Seine Farbkultur wird ergänzt durch schwierige und gleichermaßen ästhetisch reizvolle Farbverläufe, so genannten Irisdrucken als delikat fließende Übergänge einer Farbe in eine andere oder von Hell nach Dunkel als Zeichen des Übergangs und von Dynamik mit zeitlichem Anschein.
Johannes Eidt ist sich der Ausschnitthaftigkeit aber auch der Besonderheit seiner Sicht wohl bewusst, worauf der im Bild dargestellte Rahmen hindeutet, der in der Vordergrundhorizontalen immer unterbrochen ist. Der Betrachter wird über die vordere untere Bildkante nachgerade wie über eine Schwelle tretend ins Bild gebeten. Denn wie über eine Barriere muss über das im Vordergrund Angehäufte hinweg gestiegen werden, um dann Schicht für Schicht den weiteren Bildraum zu durchschauen. Vielfach greift das Bild(geschehen) auch über ihn hinaus, erweitert sich, sprengt den Rahmen.
Im Fortgang und Fluss unseres jetzt unbewusst wie bewusst gelebten Lebens Erscheinungen wie Dinge und Gedanken spontan aufzunehmen, sie umzuformen und innehaltend bildhaft auszudrücken – diese sensible Fähigkeit bezeugt den Künstler Johannes Eidt, und darin liegt auch seine unmittelbare Zeitbezogenheit. »Es gibt sie noch, die guten Dinge« heißt es heute bekanntermaßen so schön werbemäßig, wobei der Firmenname sinnbildhaft auch noch das Handmade enthält. Früher im 16. Jahrhundert waren es die würdigen Kleinmeister von Nürnberg, die geschätzt wurden.
Heute ist es ein Künstler wie Johannes Eidt, der sich als Moderner Meister aus Osnabrück mit seinem Werk einen ausgezeichneten Namen und besonderen Ruf verschafft hat.
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