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Gas

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Bibliografische Daten

fullscreen: Gas

Angaben zum Werk

Titel:
o.T.
Entstehungsjahr:
ca. 1991
Künstler-/in:
MD_KUEPO_SAMMLUNG_NAME: | Alle Werke
Ort:
MD_KUEPO_ORT_TEXT: (Kassel)
Kategorie:
Installation
Material:
Verbrennungsprodukt
Textilien
Metall
Holz
Farbmittel
Keramik
Maße:
Höhe: 180 cm (Einzelobjekt)
Breite: 20 cm (Einzelobjekt)

Beschreibung

Beschreibung:
MD_KUEPO_BESCHREIBUNG_TEXT:
Der Raum wird zum Bild.
Unwillkürlich denkt man an die Schrecken des Krieges: Hinter fünf Feuerschalen stehen, streng aufgereiht, fünf mal zehn schwarze Stelen.
Sie tragen Kreuze und laufen oben spitzbogig zu, so dass sie ebenso
an todbringende Raketen erinnern wie an gotische Kirchenfenster.
Oder sollen es Grabstelen sein, Male des Todes? Man kann nicht
gleichgültig bleiben. Die Installation, die Josefh Delleg im großen Raum des Kasseler Kunstvereins geschaffen hat, spricht ganz unmittelbar an.
Dennoch täuscht der Eindruck, mit dieser Arbeit reagiere der Künstler spontan auf den Krieg am Golf.
Die Installation wurzelt tiefer, sie verweist auf die Biographie des
Südtirolers: In seiner Heimat nutzten zu früheren Zeiten die Menschen Bügelbretter, um die Toten aufzubahren; und eben die Form des
Bügelbretts liegt seinen Stelen zugrunde. Das Alltägliche und das Außergewöhnliche liegen weit näher beieinander als wir wahrhaben
wollen, ja, sie sind bisweilen austauschbar. Ebenso können Bedrohung und Trauer, Gewalt und Schönheit die gleichen Formen nutzen.
Genau darauf zielt Dellegs Installation: Indem sie einen feierlich-religiösen Raum herstellt, zielt sie auf gegensätzliche Gedanken und Gefühle.
So ist es nur konsequent, dass er dieser Arbeit keinen Titel gab. Je mehr man die gedanklichen Fundamente (Botschaften) freizulegen versucht,
desto stärker erkennt man, dass die ästhetische Komponente das
überragende Element ist: Josefh Delleg hat den Raum in ein Bild verwandelt. Hier, in der Formensprache ist er eindeutig und bezwingend.
Dirk Schwarze.

Auszug aus der Eröffnungsrede zur Ausstellung in Bastion Kunst Kassel.
Der Autor dieser Zeilen erinnert sich noch heute lebhaft seiner ersten Begegnung mit Delleg, richtiger gesagt: seiner ersten Begegnung mit einer von Dellegs Installationen. Es war die Ausstellung ohne einen Titel im Kasseler Kunstverein 1991, dessen damaliges Lokal, der korbbogig gewölbte Saal im Dachgeschoß des historischen „Kunstvereins“, der bereits an sich eine feierliche Ausstrahlung besitzt. Jetzt indes schien diese Feierlichkeit zu schier sakraler Größe geschwollen, es war, als habe dieser Saal nun erst zu seiner wahren Bestimmung gefunden – mit den fünf Reihen zu je zehn schwarz bespannten Stelen, davor fünf aufgesockelte Feuerschalen, es war, als wäre der Saal in dieser Form für alle Ewigkeit hergerichtet, wie zur etwas selbstgefälligen Zelebrierung von purer Feierlichkeit.
Der Eindruck des Ganzen war denn auch zu sublim, um nicht mißtrauisch zu machen, – die Kunst der Neuzeit war schließlich entstanden als ein Kind der Emanzipation aus Sakralität und Kult. Doch nicht nur Mißtrauen kam auf angesichts der christlich-kirchlichen Anmutung – Sitzreihen wie in einer Kirche, Totenbretter, Spitzbogen, Gewölbe etc. – spontan anstößig war dem Besucher die fatal an die herbeigelogenen Kulte des Faschismus und Nationalsozialismus appellierenden Feuerschalen, die seinerzeit auf keiner Helden-/Totenfeier fehlen durften. So konnte es kommen, dass sich die in Reih’ und Glied aufgestellten Totenbretter – ein Heldenfriedhof(?) – auf einmal in ein imaginäres Raketenarsenal verwandelten, dessen Ziel und Zweck bekanntlich die Versendung des Todes in alle Welt ist – zumindest die Drohung damit. Aber, dies war nicht zu übersehen, diese Raketen waren schlichte Flachware, aus Holz mit Tuch verkleidet, billiger Theaterkram in feierlichem Auftritt usw.: Das trug nicht unwesentlich zur Entlastung der aufgestauten Anmutungsflut bei. Es wurde zumindest klar, dass man aufs Material zu schauen habe, wenn man sich von einem derartigen Werk nicht betören lassen wollte. Immerhin war das Interesse an Delleg und seinen Arbeiten nachhaltig geweckt, dazu hatte nicht zuletzt auch der spontane innere Widerstand des Besuchers beigetragen, und es sollte sich zeigen, dass solch ein Widerstand beinahe zu einem eigenen Bestandteil der Begegnung mit Delleg’schen Werken wurde.
Dr. Berthold Hinz.

MD_KUEPO_BESCHREIBUNG_ZITIERT_AUS:

Weitere Informationen

Lizenz der Metadaten:
Lizenz der Objektdaten:
kein Copyright / Public domain (CC0 1.0)
Persistente URL:
https://doi.org/10.25362/kupo.d940710f-f6d8-4fa5-9a85-0fba46f4b90d

Lizenz:
Bildrechte: Josefh Delleg / VG Bild-KunstLizenz-URL: http://rightsstatements.org/vocab/InC/1.0/Fotograf:
Josefh Delleg / VG Bild-Kunst
Bildrechte: Josefh Delleg / VG Bild-KunstLizenz-URL: https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.deFotograf:
Josefh Delleg / VG Bild-Kunst
Bildrechte: Josefh Delleg / VG Bild-KunstLizenz-URL: https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.deFotograf:
Josefh Delleg / VG Bild-Kunst

Beginning of Existence

Production

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