Als „Tableau vivant“ (frz. „lebendes Bild“) bezeichnet man die Nachstellung von Werken der Kunst durch lebende Personen. Diese Mode kam gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf. Als Erfinderin nennt Meyers Konversations-Lexikon Madame de Genlis, die Erzieherin der Kinder des Herzogs von Orléans. Sie soll zur Belehrung und Unterhaltung ihrer Zöglinge solche Darstellungen arrangiert und sich dabei der Hilfe der Maler Jacques-Louis David und Jean-Baptiste Isabey bedient haben. Die folgenden Arbeiten der Serie RE- CONSTRUCTION OF HISTORY sind „Tableaux vivants“. Mit der Nachstellung der Ikone eines Künstlerbildes – DER ARME POET, von Karl Spitzweg um 1839 gemalt, thematisiert die Arbeit ARTIST die Position des Künstlers in der Gegenwart im Vergleich zur Romantik des 19. Jahrhunderts: Welche Inhalte werden transportiert, welche Motivationen treiben die Künstler voran? Welche Fragen stehen im Vordergrund? Welche Aussagen werden manifestiert? Durch die Verwendung des Selbstportraits wird der Transfer in die Gegenwart mit dem Blick auf die Zukunft geleistet. Es ist ein Foto, doch sieht es aus, als sei es gemalt. So ist auch VAN GOGH AND ME aufzunehmen in die Reihe dieser Fotoarbeiten und lässt eine Erinnerung an Albrecht Dürrer aufblitzen. Iris R. Selke